Bunt gemischt

Kommentar: "Oh Happy Day": eine wunderbare spirituelle Komödie (ab 23.12.04)

eingegeben von: reinhold
23. September 2004

Jede und keine Region


Der dänischen Film- und Theaterregisseurin Hella Joof ist mit der Gospelkomödie "Oh Happy Day" ein wunderbarer Film über die Begegnung mit Gospelmusik in Dänemark wie bei uns gelungen. Ein Kommentar von Karsten.

Das 12. Filmfest Hamburg wurde am 23.9.2004 mit der Deutschlandpremiere der dänischen Gospelkomödie "Oh Happy Day" der Film- und Theaterregisseurin Hella Joof eröffnet.In den kommenden Tagen wird der Film der Presse vorgestellt.




Die Handlung:

Nach einem Busunfall strandet Baptistenprediger Jackson aus Harlem mit seinem Chor in einem dänischen Provinznest.
Schuld daran ist die Hausfrau Hannah, die auf ihrem Fahrrad mit dem Reisebus des tourenden Gospelchors kollidiert.
Das Resultat: Chorleiter Jackson ist verletzt und muss sich in der Kleinstadt erholen.



Dort besucht er den lokalen Kirchenchor, der sich Gospelchor nennt und ihm eine Version von Oh, Happy Day vorsingt,
die von Gospel so weit entfernt ist wie Dänemark von Harlem.



Die Begegnung des Chorleiters Moses Jackson mit dem lokalen Kirchenchor hat weitreichende Folgen für den Chor,
Moses Jackson selber, alle Chormitglieder und vor allem die Hauptfigur, Hannah.



Regisseurin Hella Joof über den Film:

"Ich hoffe aufrichtig, dass uns eine spirituelle Komödie gelungen ist, in der Hinsicht, dass wir die ernsthaften Aspekte der Szenen, die den Charakter einer religiösen Erweckung haben, nicht ignoriert, sondern -- im Gegenteil -- so ernsthaft wie möglich erforscht haben. Und dass wir dies ohne Rücksicht auf möglicherweise abwehrende oder belächelnde Reaktionen getan haben, die ein solcher Umgang mit diesem Thema in manchen Zuschauern auslösen mag.

Denn es ist schwierig, Leute zu beobachten, die ihre Hemmungen einfach über Bord werfen und sich schliesslich mit ihren Händen -- und wahrscheinlich auch ihren Beinen -- über dem Kopf wiederfinden. Denn in den Momenten der Extase, wenn wir uns trauen loszulassen, sind wir Menschen am schönsten und Gott am nächsten."

Kommentar:

Das im Film einzufangen ist ihr gut gelungen. Mit wirklich starken Bildern und einer oft wunderbar augenzwinkernden Kameraführung erzählt uns der Film vor dem Hinergrund einer Liebesgeschichte (zeitweise dem einzigen Schwachpunkt im Film), wie sich alle Chormitglieder darauf einlassen, Gospel wirklich zu verstehen, und wie es ihnen und Moses dabei ergeht. Dabei sind die Charaktere menschlich, glaubwürdig und liebenswert, ohne in Klischees abzudriften.

Man merkt deutlich, dass Hella Joof die Gospelszene ihrer Heimat intensiv besucht, und dabei gut kennen- und liebengelernt hat.

Bitte erwartet keine Abfolge von fetzigen Gospelsongs a'la Sister Act; Musik wird hier sehr gezielt eingesetzt und ist sehr stimmig mit den Bildern. Das meiste ist für den Film komponiert, aber man hört auch einmal Shirley Caesar und Mahalia Jackson.

Dieser Film, obwohl eine Komödie, widmet sich dem Thema "Gospel im weissen Chor" mit viel Ernsthaftigkeit und ist einfach rundum gelungen. Freut euch auf einen lohnenden Kino-Abend!



Hella Joofs Kinodebüt, die Liebesgeschichte "Shake it all about", führte 2001 die dänischen Kinocharts an und war
Liebling der Filmkritik. Mit "Oh Happy Day" inszeniert Joof eine mitreißende Komödie, die das scheinbar nicht
zu vereinbarende zusammenbringt: die dänische Provinz und die amerikanische Gospelmusik.


Der Film im Verleih der MFA kommt am 23 Dez.2004 in die deutschen Kinos.



Den Soundtrack gibt es auf der gleichnamigen CD

Und hier zum anschauen den Trailer

Startorte:
ab Donnerstag, 03.Februar, läuft Oh happy day in folgenden Kinos:

Köln: Lupe 2
Flensburg: 51 Stufen
Hamburg: Cinemaxx Harburg
Immenstadt: Union

ab 10.Februar dann:
Gevelsberg: Filmriss-Kino
Neitersen: Wied-Scala
Sankt Augustin: Studio
Freudenstadt: Subiaco
Göttingen: Cinema
Ratzeburg: Burg-Theater
Esslingen: Kommunales Kino

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Re: Kommentar: "Oh Happy Day": eine wunderbare spirituelle Komödie (ab 23.12.04) von Nico am 05.01.2005, 20:40 Uhr
Bin gerade aus dem Kino wieder da und begeistert. Rein gefühlsmäßig hat der Film sehr viel, er zeigt Hannah sehr persönlich, was mir gut gefällt. Wie Karsten schon bemerkt hat: Viel vordergründige Musik gibt es nicht, an vielen Stellen laufen einfach Songs nur instrumental im Hintergrund. Meiner Meinung nach hätte man die bemerkenswerte Entwicklung des Chores - bemerkenswert im musikalischen wie auch im spirituellen Sinne, wie man besonders Krüger anmerkt ("Oh, you know, I'm not really in this Jesus-stuff" [sinng.]) - aber ruhig noch mit ein paar mehr Liedern darstellen können. Zum Spirit: Irgendwie kommt er zu schnell schon, denn kaum arbeitet Jackson mit dem Chor, rums, könnenses auf einmal. Das scheint fast schon die einzige Steigerung zu sein. Trotzdem wars schöner spirit, als Jackson das erste Stück mit den Sängern geprobt hat - Gänsehaut pur! Und ein paar Wörtchen zum Schluss hätt ich da auch noch über, denn der will sich mir nicht ganz eröffnen. An die Leute, die den Film schon gesehen haben: Markiert den folgenden Block, dann seht ihr, was ich geschrieben habe (hoffentlich macht das kein Browser von sich aus sichtbar, sonst ist die Spannung weg...) Wenn für Jackson die Liebe doch so wichtig ist und Hannah ihm das abnimmt, warum versöhnt sie sich mit Carsten am Schluss nicht? Der Film lief bis dahin so rund (besonders schön: die Schrei-Szene am Bahndamm), und dann wartet man auf das Liebesende und es kommt nicht. Okay, meine Begleitung meinte, das sei dann zu Hollywood-alike, aber warum darf ein Film, der bis dahin so wenig Hollywood hat (ebenso schön hier anzumerken: die Liebesszene in der Kirche, die ja schon ein bisschen was Ami-mäßiges hat), nicht wenigstens einen Schluss haben, der für von amerikanischen Filmen von der Stange so vollgestopfte Leute wie mich (ich muss zugeben, dass ich fast jeden Sch.... gucke) auch verständlich ist ;) [Hier ist jetzt der Spoilerspace zu Ende] Also, trotz dieser kleinen Unstimmigkeit: schöne Musik, atemberaubende Spannungsszenen, gute Unterhaltung!
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