Kommentar

Eindrücke vom 4. Norddeutschen Gospelchortreffen in Hameln

eingegeben von: reinhold
28. September 2005

Großraum Hannover


Foto-Impressionen sowie eine Zusammenfassung von Wolfgang Richter


Hameln im Gospelfieber: Beim 4. Norddeutschen Gospelchortreffen trafen sich Gospelchöre aus dem gesamten norddeutschen Raum um jeweils in der Region Hameln Konzerte zu geben und schließlich in Workshops sowie beim großen Abschlusskonzert in der Rattenfängerhalle gemeinschaftlich zu musizieren. Nach weiterer Beteiligung an Gottesdiensten (ent)führte letztlich der berühmte Rattenfänger die teilnehmenden Gospelchöre zum Abschluss auf die Hochzeitsterrasse.
Eindrucksvoller Höhepunkt wird sicherlich der Gospel-Marathon am Samstagabend in der Rattenfängerhalle gewesen sein. In den unterschiedlichsten akustischen und optischen Farben stand wirklich niemand in Konkurrenz auf der Bühne. Selbst Niveau-Unterschiede traten durch überzeugende Auftritte sowie durch die beidseitige Begeisterung der aufführenden sowie zuhörenden Gospelfreunde in den Hintergrund. So erhielt jeder Gospelchor zurecht einen tosenden Applaus, welchen vor allem die zuhörenden Teilnehmer durch lauten Jubel auffüllten. Final schlossen diese den langen Gospelabend mit einer Power von rund 600 Stimmen im Mass-Choir unter dem Leiter der Massen, Micha Keding.
(Arjan)

Der Mass-Choir in Hameln mit mehr als 600 Stimmen unter der Leitung von Micha Keding.

Die Prayers & Preachers und unsere kreative Mitarbeiterin Vivian Glade in Action.

Foto-Impressionen


Bilder von Thorsten Oppermann, Jörg Luttermöller, Horst Roch, Arjan Leuschner und Reinhold Uhl.

Ein weiterer Bericht der "Initiative Jazz, Rock, Pop in der Kirche e.V." www.inijrp.de
Zum Ankündigungs-Artikel in der Gospelszene - http://www.gospelszene.de/artikel-137.html


Zusammenfassung zum 4. Norddeutschen Gospel Chor Treffen von Wolfgang Richter,

dem "Erfinder" des NGCT allgemein und bisheriger Chorleiter der "Wings of Wisdom"

1. Lokalkolorit: Die Gospelszene in der Rattenfängerstadt.
2. Die Gospelszene wächst weiter zusammen.
3. Wie es mit dem Gospelchortreffen weitergeht / weitergehen sollte.
4. Eine kleine Beobachtung von auch persönlicher Bedeutung.



1. Lokalkolorit: Die Gospelszene in der Rattenfängerstadt

Die Organisatoren des 4. Norddeutschen Gospelchortreffens, das in Hameln stattfand,
verfügten wohl über einen ausgeprägten Lokalpatriotismus und so gehörte es für alle
Beteiligten am Gospelchortreffen auch dazu, ganz deutlich zu erleben, wo sie sich in
diesem Jahr mit ihrem Treffen befanden: eine Stadtführung durch die zugegeben
hübsche Altstadt sowie eine Sonderaufführung des Rattenfängerspiels auf der
Hochzeitstreppe extra für die Gospelsänger gehörten dieses Mal neben Gospelnight,
Workshop und Gottesdiensten zum Programm des Festivals. Ich gestehe, dass ich
das anfänglich nicht unbedingt nötig fand, es auch etwas bedauerte, dass
vielleicht deshalb keine Zeit für die sonst üblichen diakonischen oder
missionarischen Einsätze in Altersheimen oder auf der Straße blieb. Im
Nachhinein fand ich es aber richtig: Zum einen hat die Zusammenarbeit mit der
Stadt Hameln die Öffentlichkeitswirkung auch für das Festival und sei! ne
Botschaft deutlich erhöht, und zum anderen passt die Rattenfängergeschichte viel
besser zur Gospel-Botschaft als ich mir zunächst klargemacht habe. Eine
Geschichte, die zum einen von der Macht der Musik erzählt: Die Ratten der Angst
kann man durch Musik ersäufen und Musik kann Menschen faszinieren im Guten wie
im Bösen, so wie die Kinder von der Musik des Rattenfängers betört waren. Und
die Geschichte ist eine sehr zeitgemäße Kritik an der Geldgier; denn aus Geiz
haben die Hamelner den Rattenfänger nicht bezahlt, wie sie es versprochen
hatten, und damit ihre Zukunft verspielt, ihre Kinder verloren. Ich denke, es
ist durchaus Aufgabe eines Gospelfestivals, dass Menschen erfahren: es gibt
lohnendere Lebensziele als die Geldvermehrung um jeden Preis. Mag Geiz für
manche geil sein: Gospel ist gigantisch, das haben viele Hamelner erlebt in
diesen Tagen und es war schön, das mitzuerleben und daran mitzuwirken.


Der Abschluß am Sonntag auf der Hochzeitsterrasse

2. Seit Mitte der neunziger
Jahre, also seit etwa 10 Jahren gibt es jetzt schon den "Gospelboom", und er ist
ungebrochen. Als die Szene sich gegen Ende der neunziger Jahre zu organisieren
begann, gab es verschiedene Kristallisationspunkte dafür, die zunächst ganz
unabhängig voneinander waren. Das NGCT war nur einer davon, die Workshops von
Micha Keding waren im norddeutschen Raum ein zweiter solcher
Kristallisationspunkt. Diese beiden Ströme sind schon ab dem 2. NGCT
zusammengeflossen, als Micha die Masschoir-Leitung übernahm. Die
Internetplattform "Gospel Choir maps" bzw. "Gospelszene" waren ein weiterer
Kristallisationspunkt: hier sind in der Vorbereitung dieses Treffens wichtige
Verbindungen entstanden. Und auch dass wieder neue Chöre dabei waren, auch
solche, die bisher schon einen Namen in Norddeutschland hatten, aber noch nicht
am NGCT beteiligt waren, war ein Indiz dafür, dass die Gospelszene
"zusammenwächst". Das kann ihr nur gut tun. Es wurde ! bisher bei allen
Gospelchortreffen im Feedback hervorgehoben, dass sie von einer
geschwisterlichen Atmosphäre ohne Konkurrenzgefühle zwischen den Chören geprägt
waren. Wenn sich dieser Geist in der Gospelszene weiter ausbreitet, dann wird
sie in ihrer Botschaft glaubwürdig; und ich glaube, dazu hat auch das Hamelner
Treffen wieder ein gutes Stück beigetragen. Die "Stammgäste" haben sich über das
Wiedersehen gefreut, die "Neuen" wurden herzlich aufgenommen, unter den Zuhörern
wurden neue Sängerinnen und Sänger vor allem für die Chöre aus der
Veranstaltungsregion gewonnen. Die Vielfalt der Chöre im musikalischen wie in
der Präsentation war so groß wie nie zuvor - Gesang a cappella, mit
Klavierbegleitung, mit Band, mit Saxophon oder mit Trommeln, Darbietungen mit
oder ohne Choreografie, Chöre in Roben, T-Shirts oder ohne einheitliches Outfit
- all das ergänzte sich harmonisch und ohne Wettbewerbscharakter.


Micha Keding als Workshopleiter

3. Das NGCT ist im kirchlichen
Leben Norddeutschlands und in der Gospelszene etabliert. Bisher gab es stets das
Problem, einen nächsten Veranstalter zu finden und ich habe sowohl vor dem
dritten als auch vor dem vierten Treffen ziemlich viel telefoniert und Emails
geschrieben, bis sich wieder Verantwortliche gefunden haben. Inzwischen sind die
Probleme andere geworden. Es stellt sich eher die Frage, wer das nächste Treffen
veranstalten darf. Für 2007 ließ sich die Frage inzwischen einvernehmlich lösen:
Der Veranstaltungsort soll Wolfsburg sein und Arjan Leuschner wird die
Hauptverantwortung für die Organisation übernehmen. (Für 2009 sind allerdings
noch zwei Optionen offen). Ein weiteres Problem ist mit dem Wachstum des
Festivals und dem Charakter als Wanderfestival mit wechselnden Veranstaltern
gegeben: Wie kann das Profil des Festivals erhalten bleiben, wenn immer mehr
daran mitwirken, die die ersten Treffen gar nicht miterlebt haben? Als Hilfe
habe ich die bisher praktizierten Grundsätze des NGCT einmal zu Papier gebracht
(sie sind an anderer Stelle nachzulesen). Bisher war der Abstand zwischen den
Treffen etwas unregelmäßig. Das hatte vor allem damit zu tun, dass wir zunächst
die Jahre ohne Deutschen Evangelischen Kirchentag als Veranstaltungsjahre
vorgesehen hatten. Inzwischen gibt es aber auch den Gospelkirchentag, der
ebenfalls stets in den Jahren zwischen dem großen Kirchentag stattfindet. Das
hat uns nun veranlasst, den Rhythmus umzustellen: NGCT stets in den Jahren, in
denen zwar der DEKT, aber kein Gospelkirchentag stattfindet. Dadurch, dass der
Kirchentag im Mai / Juni stattfindet und den NGCT im Herbst, scheint das kein
Problem zu sein und wir machen dem Gospelkirchentag keine Konkurrenz. So dürfe
sich jetzt doch ein Zweijahresrhythmus einpendeln. Ich freue mich jedenfalls
schon auf das Treffen in Wolfsburg.


Das Finale am Samstag in der Hamelner Rattenfängerhalle.

4. Eine persönliche Bemerkung
zum Schluss, an der sich ebenfalls etwas Wichtiges für die älter gewordene
Gospelszene deutlich machen lässt: Für mich war Hameln auch der Abschied von
meinem bisherigen Gospelchor "Wings of Wisdom", durch den ich überhaupt erst in
die Gospelszene hineingekommen bin und mit dem ich das NGCT aus der Taufe
gehoben habe. Es gehörte für mich bisher zum Faszinierenden der Gospelbewegung,
wie sehr jeder Chor von seinem Chorleiter geprägt wird. Deshalb ist es nicht
selbstverständlich, dass ein Chor sich nach einem Chorleiterwechsel überhaupt
weiter existiert. In Hameln habe ich mich deshalb besonders über die Mitwirkung
von Good News aus Hermannsburg gefreut, die bisher jedes Mal dabei waren: Sie
haben sich nach einem kürzlich erfolgten Chorleiterwechsel gut weiterentwickelt;
das hat mich in den Vertrauen bestärkt, dass auch die "Wings of Wisdom"
weiterfliegen werden und ich sie mit meinem dann hoffentlich bereits
existierenden neuen Chor in Wolfsburg wiedertreffen werde. Vielleicht ist das ja
auch ein typisches Phänomen der inzwischen zehn Jahre alten Gospelbewegung; dass
manche Chöre in die zweite Generation gehen, nicht nur durch Chorleiterwechsel,
sondern auch durch Mitgliederfluktuation und sich dann bewähren muss, wovon ein
Chor eigentlich lebt. Vielleicht kann ein Festival wie das NGCT auch dazu
beitragen, dass Chöre solche Brüche gut überwinden: schließlich will man ja beim
nächsten NGCT wieder dabei sein ...

Wolfgang Richter


Monumentales Erlebnis für Augen und Ohren

4. Norddeutsches Gospelchor-Treffen in Hameln: Die musikalische Botschaft kam beim Publikum an

Hameln (sbr). Stimmgewaltig präsentierte sich das 4. Norddeutsche Gospelchor-Treffen am Wochenende in der fast ausverkauften Rattenfängerhalle. 19 Gospelchöre mit über 600 Sängern und Sängerinnen gaben eindrucksvoll eine Kostprobe aus ihrem vielfältigen Repertoire. Ob Spirituals, moderne Gospels, African Pray-Songs oder Pray-Hymns - die Musiker vermittelten mit ihren Liedern die Kraft und Wärme der Gospelmusik; die damit verbundene christliche Botschaft kam beim Publikum an.


Gesang als christliches Bekenntnis. Foto: cbr

Für die Chöre "Groovin' Valley", "Caminando Va", "Young Voices& Gospel Chor" und "Salt'n light" war das Gospelfest ein Heimspiel, kommen sie doch direkt aus Hameln beziehungsweise aus dem Sünteltal, Lauenstein, Salzhemmendorf oder Rodenberg. Teilweise lange Anreisewege hatten da die anderen Sänger aus Hermannsburg, Harsefeld, Bielefeld, Hildesheim, Northeim, Bremen, Lehmke, Bruchhausen-Vilsen, Twielenfleth, Bremerhaven, Cadenberge, Buxtehude, Lemgow, Gerdau, Kirchweyhe und Westerweyhe.

"Hier wird deutlich, wie lebendig der Glaube ist", schwärmt Superintendent Philipp Meyer von der tollen Stimmung während des musikalischen Events. "Gospel kann Menschen verändern und Menschen können die Welt verändern", so der Superintendent.

Schon beim ersten Auftritt des Northeimer Ensembles "Gospelpower!" sprang der Funke zum Publikumüber. Die Bremer "Gospelswingers" unter Leitung der in New York geborenen Blues- und Jazzsängerin Janine Smith machten ihrem Namen alle Ehre, und auch "Groovin' Valley" brachte die Zuhörer im wahrsten Sinne des Wortes zum "Grooven". Bei "Spiritual Voice" unddem Klassiker "Go down, Moses" konnte jeder im Saal mitsingen. Und auch "Wings of Wisdom" und "Gospel unlimited" knüpften an die Gospeltradition an: Musik als Botschaft und Ausdruck lebendiger Gemeinschaft.

Die "Good News Singers" aus Harsefeld, die Bremerhavener "Prayers und Preachers" sowie die "St. Paul's Gospel Voices" aus Buxtehude bescherten dem Gospelchor-Treffen weitere Höhepunkte. Auch "Caminando Va", die "Old Country Gospel Company", ein Chor mit Band aus dem Alten Land sowie die "Schweskauer Spiritual Werkstatt", "Just4Fun" und die "Sweet Chariots" lobten Gott in ihren Liedern und regten mit ihren Songs zum Nachdenken an. "Good News" aus Hermannsburg, wurde vonden Zuschauern gefeiert. Die Halle zum Beben brachten die Jungen und Mädchen von "Life Resource". Mit "Not By Power" und "Baga Gine" sangen und tanzten sich die Teenies aus Vilsen in die Herzen ihrer Zuhörer. Donnernder Applaus war der Lohn für ihren gelungenen Auftritt.

Gigantischer Höhepunkt des 4. Norddeutschen Gospelchor-Treffens in Hameln war der Auftritt des "Massenchores" zum Ende der Veranstaltung. Das Finale vereinte alle 600 teilnehmenden Sänger und Sängerinnen auf der großen Bühne zu einem monumentalen Erlebnis für Augen und Ohren.

Abdruck mit Erlaubnis der Dewezet
© Dewezet, 26.09.2005

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Eindrücke vom 4. Norddeutschen Gospelchortreffen in Hameln | Benutzeranmeldung | 17 Kommentare
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Feedback zum 4. Norddeutschen Gospelchortreffen in Hameln von Arjan am 01.10.2005, 12:06 Uhr
Wenn alles klappt, dann findet das 5. Norddeutsche Gospelchortreffen 2007 in Wolfsburg statt. Um dieses Event gleichermaßen in jeder Hinsicht zum einmaligen Erlebnis werden zu lassen ist Feedback sehr wichtig. Besonders moderne Einflüsse sollen und werden das unaufhaltsam wandelnde Bild von Wolfsburg spiegeln. Wir werden nicht nur Konzerte stattfinden lassen sondern auch nonstop Kirche feiern und Party machen.
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Arjan
Fotos?? von ClaudiaHB am 06.10.2005, 07:27 Uhr
Hallo Arjan! Sag mal, gibts irgendeine Möglichkeit Abzüge der hier eingestellten Fotos zu bekommen? Einige sind einfach klasse!!! Die "Presse -und Öffentlichkeitstante" der Gospelswingers aus Bremen Claudia
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