Kommentar

Inszeniert im Namen des Herrn

eingegeben von: Arjan
26. Januar 2006

Jede und keine Region


"The Very Best Of Black Gospel" heißt die aktuelle Gospel-Produktion von "Lanz High-Definition-Audiosystems" aus Rheinland-Pfalz und ist in den Wintermonaten mit hochkarätiger Besetzung im ganzen Bundesgebiet auf Tournee.

Mit dem vielversprechenden Namen "The Very Best Of Black Gospel" wird "eine Auswahl der besten Gospelsänger und Sängerinnen der Welt" im gesamten Bundesgebiet groß in allen Tageszeitungen angekündigt. Für Gospelszene.de besuchte ich gespannt und mit neugierigen Erwartungen das Konzert in der Wolfsburger Kreuzkirche.

Einen Vorgeschmack bot mir bereits die offizielle Internetseite www.blackgospel-tour.com: Mit vielen Referenzen werden dort alle Mitwirkenden des Ensembles vorgestellt. Es sind nicht Richard Smallwood, nicht Fred Hammond und auch nicht Shirley Caesar oder Byron Cage. Doch SängerInnen und Musiker, welche u.a. in deren legendären und weltberühmten Gospelchören mitwirkten, teilweise sogar solistisch im Vordergrund standen. Der in Hamburg lebende und in Norddeutschland durch seine erfolgreichen Gospelworkshops bekannte Timothy Riley ist Mitglied dieser Gruppe - sein früherer Pastor heißt Hezekiah Walker.

Das Licht verdunkelte sich und in den bläulichen Spot trat Chorleiter Gregory M. Kelly im eleganten Gewand. Es wurde still, und atmosphärisch umrahmt betete er für die große Konzert-Gemeinde der Kreuzkirche "The Lord's Prayer", das "Vater Unser" in englischer Sprache. Es folgte der majestätische Einzug der SängerInnen und die gekonnte Animation ließ das Publikum sogleich rhythmisch auf 1 und 3 mitklatschen, so wie es das Ensemble ein wenig widerwillig, doch gut gemeint und fast konsequent anleitete. Erwartungsgemäß aber gut verteilt folgten auf humorvolle Anspiele und Dialoge eine dezente Auswahl der deutschen Gospelshow-Charts von "Go Down Moses" bis "He's got the whole world" - originell begleitet, wenig aufgesetzt und mit wirkungsvollen Choreographien vorgetragen. Schienen die SängerInnen bei diesem Standard-Programm in wenig anspruchsvollen Arrangements eher unterfordert, blühten sie bei wirklichen Hits ihrer amerikanischen Gospelszene wahrlich auf: Mit "Jesus Can Work It Out" und "Praise The Lord With Me" erreichten sie selbst Gospelkenner. Besonders überraschte mich die Band mit unverkennbaren Einflüssen von HipHop-Pastor Hezekiah Walker. Beigetragen hat hierzu sicherlich der musikalische Leiter Craig Wiggins, welcher auch bei Walkers "Love Fellowchip Choir" leitend tätig ist. In perfektem Zusammenspiel untermalten sie unterhaltsam mit purer Lebensfreude im 80er-Dancefloor-Beat aber ebenso im typischen Gospelsound. Einzig das digitale Schlagzeug geriet klanglich ins Abseits. Die Stimmgewalt, welche meist von der Gesangsanlage verschluckt sowie von den Bässen der Band übertönt wurde, bewies sich unverstärkt bei "I Opened My Mouth" - dynamisch, sauber und raumfüllend vorgetragen sowie mit tosendem Beifall belohnt.


Bild: Timothy Riley bei "Bridge Over Troubled Water"

Der zweite Teil wurde durch individuelle afrikanische Kleidung und gleichermaßen individuelle Solo-Beiträge aufgelockert. Vor allem bei zahlreichen Balladen und weltlichen Liedern zeigte sich die Vielfalt der einzelnen Mitglieder. Gänsehaut-Atmosphäre löste "Imagine" beim Beatles-Medley aus, ebenso wie "Bridge Over Troubled Water" von Simon & Garfunkel - ergreifend vorgetragen von Timothy Riley. Einen hohen Unterhaltungswert bot Frohnatur und Publikumsliebling "Sista B" sowohl mit ihrer spitzen hohen Stimme wie auch mit ihren komödiantischen Einlagen. Ihre Erfahrungen sammelte sie überwiegend in den deutschen Gospelshows wie z.B. den Harlem Gospel Singers sowie in diversen Musicals.

In seinen Moderationen vermittelte Chorleiter Gregory M. Kelly wiederholt beeindruckend seinen tiefen Glauben und ließ den Heiligen Geist präsent sein, welcher ansonsten in der norddeutschen Winterluft nur schwer seinen Platz fand. Beifallsstürme von den begeisterten Wolfsburgern an "The Very Best Of Black Gospel", die sich zum gemeinsamen Gesang mit dem Hezekiah-Walker-Hit "I Need You To Survive" verabschiedeten.

Tourdaten


Altst.NicolaikircheBielefeld Mo 30.01.2006 20:00
St.EngelbertEssen Di 31.01.2006 20:00
FriedenskircheKrefeld Mi 01.02.2006 20:00
FriedhofskircheWuppertal Do 02.02.2006 20:00
St.JohannisHagen Fr 03.02.2006 20:00
KreuzkircheBonn Sa 04.02.2006 20:00
Heilig-Geist-KircheFrankfurt So 05.02.2006 19:00
K-Halle UlrichskircheHalle Mi 08.02.2006 20:00
JohanniskirchePlauen Do 09.02.2006 20:00
LutherkircheErfurt Fr 10.02.2006 20:00
FriedenskirchePotsdam-Sanssouci Sa 11.02.2006 20:00
St.GeorgFrankfurt-Oder So 12.02.2006 19:00
PauluskircheMagdeburg Mo 13.02.2006 20:00
Stadtk.St.MichaelJena Di 14.02.2006 20:00
NikolaikircheQuedlinburg Mi 15.02.2006 20:00
LutherkircheOsnabrück Do 16.02.2006 20:00
St.JosefLingen Fr 17.02.2006 20:00
ErlöserkircheDetmold Sa 18.02.2006 20:00
Maria zur WieseSoest So 19.02.2006 19:00



Weiterführende Links:
The Very Best Of Black Gospel (Offizielle Webseite)
Timothy Riley (Leviticus Gospel Choir / Inspiration Gospel Voices)
Gospel Shows - Gospel-Lexikon auf Gospelszene.de

Veranstalter:
Lanz High-Definition-Audiosystems (Produzent)
Musikveranstaltungen Lars Berndt GmbH (Zweitveranstalter)




Bericht und Fotos: Arjan Leuschner

1 Kommentar druckerfreundliche Ansicht


 
verwandte Links
NEU!
Diskussion
Inszeniert im Namen des Herrn | Benutzeranmeldung | 1 Kommentar
Kommentaranzeige:
Wir sind nicht verantwortlich für Kommentare unserer Benutzer

Re: Inszeniert im Namen des Herrn von Anonymous am 27.01.2006, 20:49 Uhr
Danke Arjan, für diesen gelungenen und informativen Beitrag. Die Seite der mitwirkenden Sänger und -innen hatte ich zwar irgendwann schon einmal aufgesucht, habe sie nun aber nochmals durchgelesen und bemerkt, dass bereits viele Brücken und Kenntnisse zum deutschen Publikum durch vorhergehende Auftritte vorhanden waren.
Bernd
Powered by PostNuke   Gospel-Infos, Gospel-Termine, Gospel-Workshops, Gospelchor-Landkarte, Forum  © 2003-2012 by Gospelszene Impressum, Kontakt, Wer wir sind  
Wenn dieser Text stehenbleibt, is Javascript ausgeschaltet, Animationen sind dann aus.