Kommentar
„The Very Best Of Black Gospel“ in Fürth
eingegeben von: reinhold
23. Januar 2009
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Die Gospelkenner und -interessierte Bernd Grimmel und Dirk Richter haben für Gospelszene.de die Gospel Show „The Very Best Of Black Gospel“ besucht. Ihre Erlebnisse sowie das Interview mit Gregory Kelly haben sie in einem ausführlichen Artikel zusammengefasst.

Das Konzert fand am 18.Januar 2009 in der neugothischen Kirche St. Paul statt. Ungewohnterweise hatten die Besucher die Möglichkeit, sich vor dem Kirchenaufgang mit Getränken zu versorgen. Von der Redaktion Gospelszene wusste ich, dass der Veranstalter um einen Konzertbericht gebeten hatte, dieser ihm wichtig sei und war erstaunt, dass weder die Abendkasse noch der Gruppenbegleiter über unser, durch Reinhold´s angekündigtes und angemeldetes Erscheinen, informiert waren.
Wir betraten um 18:30 Uhr den Kirchenraum, der bereits nahezu vollständig gefüllt war und fanden auf der Empore Stehplätze, die einen guten Überblick auf das Geschehen im Altarraum boten. Das Publikum war altersmäßig durchmischt und auch viele junge Leute hatten sich eingefunden. Da die Sitzgelegenheiten nicht ausreichten, wurden Bierbänke hereingetragen, reservierte Sitzplätze für geladene Gäste gab es nicht. Trotz des Eintrittspreises von 25.- Euro im Vorverkauf und 30.- Euro an der Abendkasse, mussten viele Besucher stehen bzw. hatten von der Empore keine Sicht aufs Konzertgeschehen. Etwa tausend Leute hatten sich eingefunden. Die Kirche ist ein eher nüchternen Bau und im schlichten Altarraum fanden sich zwei elektronische Schlagzeuge, ein Keyboard, ein elektrisches Klavier und sechs Mikrophone.
Pünktlich um 19:00 Uhr, nach einer kurzen Begrüßung und dem Aufruf, Gott zu preisen, begann das Konzert. Darnita Hassel sang in hohem Sopran von der Kanzel „Our Father“, das Vater Unser. Der Song wurde durch Streicherbegleitung vom Keyboard untermalt und in eher klassischer Gesangsweise vorgetragen. Dann erschien die Gruppe in hellblauen Roben, „We’re Marching To Zion“ singend und forderte das Publikum auf, mitzuklatschen . Der Leadsänger war schlecht zu verstehen und die perfekt einstudierte Choreographie fiel auf. Es folgte „Battle Hymn Of The Republic / Glory, Glory Hallelujah“, einfach arrangiert und vorgetragenen. Sehr schnell nach Showbeginn gelang es den Sänger und Sängerinnen eine hohe emotionale Bewegung und Begeisterung in ihrem Auftritt zu finden. Der Gruppenleiter
Gregory Kelly betonte mehrmals, an die Konzertbesucher gewandt, dass Gospelmusik eine glückliche Musik sei mit viel Spass, Spass, Spass. Diese Verbreitung guter Stimmung wurde auf Deutsch nahegebracht. Im nun folgenden „He’s Got The Whole World“ teilte der Chorleiter das Publikum in zwei, sich unterschiedliche Hälften ein und animierte alle zum Mitmachen. Die Leute waren begeistert, sangen mit, johlten und pfiffen. Das musikalische Arrangement war in sehr einfacher Weise einstudiert. Er gab an, wissen zu wollen, ob die rechte Seite des Kirchenschiffes besser als die linke singen könne. Wie oft in Gospelkonzerten, tat sich das Publikum mit dem Klatschen im Gospelrhythmus schwer. Steve Spredlay trug anschließend mit hohem Tenor „Amazing Grace“ vor, der Gruppensound mit vier Sängerinnen und einem Sänger war einstimming einstudiert, klang harmonisch und man verzichtete auf jene dritte Strophe, die in schwarzen Kirchen die emotionalste ist. „I Want To Be Ready / Walk In Jerusalem“ wurde stimmlich schön und rund dargeboten und die Gruppe bot auch optisch einen in sich stimmigen Anblick. Im Programm wurde zügig fortgefahren, die ganze Show war zeitlich perfekt durchstrukturiert, mit „Wade In The Water“, „Josuah Fit The Battle Of Jericho“ und „Nobody Knows The Trouble I’ve Seen“ sowie einer einfachen Mitbewegungsversion mit kräftigem Leadgesang von “Down By The Riverside”. Interessant waren die verzückten, eingeübten Armbewegungen der Gruppe und das sich Niederbeugen als Illustration des Textes. Auch hier wurde das Publikum eingebunden und die Instrumente übertönten oftmals den Gesang. Generell waren die choreographischen Bewegungen der Sänger und Sängerinnen gut einstudiert. Die Gruppe nutzte dies immer, wenn sie dem Publikum das Mitklatschen überlassen konnte. Bervor „The Very Best“ in die Sakristei verschwanden, folgte ein „holy dance“ sowie Kreiseldrehbewegungen einzelner Mitglieder, welche die Roben aufplusterten und an tanzende Derwische erinnerten. Die Pause begann nach exakt fünfundvierzig Minuten vorausgegangener Bühnenpräsenz. Generell kann man sagen, dass in diesem ersten Teil der Gospelshow kaum Improvisationen vorkamen und entsprechend selten frei gesungen wurde.
Während der fünfzehnminütigen Pause hatte sich das Ensemble seiner Roben entledigt und die Sängerinnen kamen überwiegend schwarz gekleidet, die Sänger in Anzügen zurück in den Altarraum. Es folgte „Go Down Moses“ und die mächtige Kirchenorgel wurde zur musikalischen Untermalung herangezogen. Mich erinnerte dies an Fats Wallers klassisches „Go Down Moses“ und seine instrumentelle Version auf der Dampforgel. Leider befanden wir uns neben der Orgel. Das Konzert wurde durch zwei acappella vorgetragene Songs fortgesetzt: „I Opened My Mouth / See What the End’s Gonna Be“ und „Soon I Will Be Done“. Beide Songs wurden perfekt vorgetragen, mehrstimmig und mit starkem Solopart. Die Gruppe wirkte hier viel ernsthafter und konzentrierter in ihrem Gesang, die Begleitmusiker hatten sich angeschlossen und der satte Männergesang domierte ausgewogen und wohlklingend. Diese beiden Songs zeigten ein hohes gesangliches Können der Gruppe und wurden durch ausgiebigen Applaus des Publikums honoriert. Es folgte ein schlicht gesungenes Medley von „When The Saints“ und „Swing Low“. Der anschließende Song „Faith“ stammt von Vanessa Bell Armstrong, wurde glaubhaft vorgetragen und begeisterte durch mächtigen, sich reinsteigernden Leadgesang des Pianisten Charles Lyles. Auch diese ernsthafte Interpretation wurde vom Publikum entsprechend honoriert. Wie oft bei Gospelgruppen üblich und nach deutlichen Reaktionen der Zuhörer, wurde der Song erneut angestimmt. Der Leiter erinnerte anschließend an den Geburtstag Dr. Martin Luther Kings, den kommenden Präsidentenwechsel in den Staaten und rief „No More George Bush“, was vom Publikum ebenfalls mit donnernder Zustimmung bedacht wurde. Die Besucher weiter animierend, stimmte das Ensemble „We Shall Overcome“ an, um anschließend Thomas Dorseys „Precious Lord“ vorzutragen. Der Name Dorsey fiel nicht, hingegen wurde an Mahalia Jackson erinnert, die meines Wissens „Precious Lord“ erst 1963 auf CBS einspielte und deren Version wenig bekannt und verbreitet ist. Das Arragement war individuell und modern umgesetzt. Es folgte eine Eigenkomposition von Gregory Kelly – „Love One Another“ – in eher ruhigem, poppig vorgetragenem Contemporerystil. Anschließend setzte „The Very Best“ das Programm mit altbekannten Songs fort, dies wirkte wie ein Bruch und sang zur nachweihnachtlichen Zeit „Go Tell It On The Mountain“. Die Einstudierung war einfach und schlicht. Deutlich besser und mit gutem Leadgesang folgte Albertina Walkers „I’ve Got A Feeling“. Das offizielle Konzert endete mit einem Medley aus „Praise The Lord“, „Power“ und „Amen“. Die etwas ungewöhnlichen Spielerein im letzten Song wurden mit Lachen aus dem Publikum bedacht. Nach einer Vorstellungsrunde aller Ensemblemitglieder, die im allgemeinen Gemurmel unterging, wurde die Show zunächst um 21 Uhr beendet.
Das Publikum forderte Zugaben und nun wurde Geburtstagskind Lareto Sebelle zunächst mit einem „Happy Birthday“-Ständchen gratuliert. Es folgte „Oh Happy Day“ und man merkte, dass das Publikum auf diesen Song gewartet hatte: Alle wollten ihn hören, mitklatschen und mitsingen. Um 21:15 Uhr endete die Gospelshow mit „I Need To Survive“, eher poppig und seicht und von einer sich an den Händen fassenden Zuhörerschaft begleitet.
In Anschluss an das Konzert hatte ich kurz die Gelegenheit, Gregory Kelly in einem angenehmen und zugewandten Gespräch zu interviewen, in dem er sich bereitwillig zu meinen Fragen äußerte.
Aufgewachsen ist er zuhause mit der Musik James Clevelands, Shirley Caesars und Hezekiah Walkers. Anlässlich Shirley Ceasars CD-Aufnahme „A Miracle In Harlem“ von 1997 war er Mitglied des begleitenden Chores. Gerne hört er die Winans, Commissioned, Richard Smallwood, Ricky Dillard, Kurt Carr und Donald Lawrence. Als persönliche musikalische Einflüsse gibt er neben den Winans und Commisioned, Hezekiah Walker an. Einen ihm persönlich besonders wichtigen Song konnte er nicht nennen, verwies aber auf seine eigenen Kompositionen, hinter deren Texten und Ausarbeitungen er stehe. Es sei ihm wichtig, eigene Songs und Arrangements zu schreiben. Als Besonderheit seiner Deutschlandtour, sieht er das hiesige Interesse an traditionellen Songs. Für ihn sei bedeutend, einen Teil seiner „Welt“ zu uns und damit Menschen näher zu Gott zu bringen. Seine eigene Beziehung zu Gott habe für ihn einen hohen Stellenwert und die Konzerte seien eine Möglichkeit, auch jene Leute in die Kirchen zu bringen, die ansonsten diese Orte nicht betreten würden. Ein neues Programm im nächsten Jahr würde zu neunzig Prozent wieder aus traditionellen Songs bestehen, gemischt mit drei oder vier contemporären Liedern. Er könne sich durchaus vorstellen, ein Konzert mit weitgehend unbekannten Songs zu gestalten, da ihm die Präsentation eigener Songs wichtig sei und das Publikum diese fühlen könne. Den größten Einfluss auf das Interesse an Gospelmusik in Deutschland schreibt er der Bekanntheit und Beliebtheit Mahalia Jacksons zu. Ihm ist ferner bewusst, dass Kirk Franklins Musik Einfluss auf jüngere Gospelinteressierte habe. Die Unterschiede seiner eigenen Gruppe zu anderen, sieht er in der Auswahl der Sänger und Sängerinnen, die allesamt eine kirchlich geprägte Vergangenheit aufweisen und aus ihrem Herzen heraus singen. Sein weiteres Anliegen sei, dass das deutsche Publikum begeistert mitmacht und damit zu einem lebendigen Teil des Konzertgeschehens wird.
Da die junge Sängerin Darnita Hassel aus Philadelpia stammt, konnte ich es nicht unterlassen, sie zu fragen, ob sie die Radiostation WNAP und Linwood Heath kenne, welches sie mit strahlendem Lächeln und Erstaunen bejahte.
Bernd Grimmel (gospel-news.de.vu)
Dirk Richter
Red.: Die Fürther Nachrichten schreiben dazu: Klangteppich für Mr. President
noch unkommentiert... 
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