Veranstaltungen

Golden Gate Quartet in Lüneburg

eingegeben von: reinhold
22. März 2009

Großraum Hamburg/Bremen/Osnabrück


Am 13. und 14. März gab das Golden Gate Quartet zwei Konzerte in der Lüneburger Nicolaikirche. Gleichzeitig feierte der Lüneburger Gospelchor sein fünfzehnjähriges Bestehen. Initiatorin war seinerzeit Janice Harrington, die Charles May als Workshopleiter nach Deutschland brachte und anwesend war. Bezogen darauf, dass damals in dieser Kirche die ersten Workshopaktivitäten stattfanden, sang Janice "Bless This House", a-cappella vorgetragen und den mächtigen gotischen Raum wohltuend füllend.

Das Kirchenschiff war an beiden Abenden voll besetzt, die Seitenplätze und die Emporen gering; unter den Zuhörern befanden sich wenige Jüngere. Die Organisatorin Frau Koops hatte nach dem Auftrritt des Lüneburger Chores unter der Leitung von Eggo Fuhrmann ein kleines Buffet aufgebaut. Meine Ausführungen beschränke ich auf den Auftritt des Golden Gate Quartets. Ich hatte am ersten Abend einen preisgünstigeren Sitzplatz im Seitenschiff gewählt, die Sicht auf die Gruppe war gut, die Akustik hingegen ließ zu wünschen übrig. Den zweiten Abend verbrachte ich am Ende des Kirchenraumes und fand dort die Aussteuerung besser.

Kurz vor ihrem Auftritt sah ich die vier Sänger betend im Kreis stehend. Dies kenne ich von anderen Ensembles und zeugt von Ernsthaftigkeit. Ihr Auftritt, ohne das gemeinsam gesungene "Oh Happy Day" mit allen Beteiligten am Schluss, dauerte achtzig Minuten. Die Songfolge und Einführungen waren an beiden Abenden identisch. Heute besteht die Gruppe aus Clyde Wright, der seit 1955 Gruppenmitglied ist, Paul Brembly, seit 1971 dabei, Frank Davis, seit 1985 und Anthony Gordon, seit 1995.

Der erste Song, eine veränderte Version von "Soon I Will Be Done", wurde in feiner, altmodischer Weise um ein einziges Mikrophon gesungen. Neben Quartettklassikern und modernen Arrangements aus der CD "Made In Raleigh, North Carolina, U.S.A. Feb. 2002" (Fremeaux & Associes FA 452) trugen die Gates auch ihre wohlbekannten Spiritualversionen vor. So folgte "Swing Low", harmonisch perfekt dargeboten und der "satte" ausgeglichene Backgroundgesang überzeugte. Clyde Wrights Stimme klingt trotz seiner fast 81 Jahren voll; er ist überhaupt sehr beweglich und lebhaft. Anschließend nahm sich Wright eine Gitarre und die Gruppe interpretierte Bill Landfords "Run For A Long Time", ein Höhepunkt des Konzertes. Auch hier überzeugten die aufeinander bestens abgestimmten Harmonien: Quartettgesang vom Feinsten, wohltuend anzuhören und ausgewogen. Clyde Wright startete anschließend solo mit "If Anybody Ask You", die anderen stimmten verzögert ein und die Combo - Piano, Bass und Schlagzeug - begleitete. Bei "If Anybody" denke ich immer an Ira Tucker und die Dixie Hummingbirds - ich mag dieses Lied. "Down By The Riverside" entsprach der alten Jubileefassung der Gates und erinnerte mich an eine meiner ersten Schallplatten. Ich bin kein Fan wohlbekannter Gassenhauer-Spirituals, fand die Darbietung dennoch sehr stimmig und gekonnt. Anschließend fiel Frank Davis mit schönem Tenor in "Only Believe" auf. Den folgenden Song kannte ich nicht und vermute, dass er "Heavenly Road" heißt. Tony Gordon übernahm den Leadpart und sein voller tiefer Bass, zusammen mit der perfekten Begleitung durch die anderen, erinnerte mich an die Harmonizing Four. Der dargebotene Quartettgesang dürfte heute in dieser vollendeten, altmodischen Form kaum mehr anderswo in so hoher Qualität gesungen werden. Clyde Wright übernahm dannach den Leadpart von "Nobody Knows", wiederum in vorzüglicher Quartettmanier vorgetragen. "Joseph" begleitete Tony Gordon mit "bumpling bass", eine heute kaum noch verwendete Technik, die das Bassinstrument stimmlich nachahmt: Es war schön, wieder einmal diese Besonderheit zu hören. Auch die "Saints" wurden in dieser Weise von ihm untermalt. Die Marschaktionen der "heiligen" Herren lockerten auf und waren dennoch stimmig, Showeffekte wurden insgesamt nur spärlich eingesetzt. Paul Brembly sang "Higher Ground", ein Song, der weniger schwungvoll arrangiert ist. Es folgte der Klassiker "Sit Down Servant", ruhig vorgetragen und " Josuah Fit The Battle" in alter Gatesmanier. Anschließend hielt Clyde Wright Rückblick auf seine vergangenes Leben, ermahnte die Jugend, sich Rechenschaft über AIDS, Drogen etc. zu geben und verband dies als Einführung zu "My Pay", einer Eigenkomposition.

Für mich war es der vierte Konzertbesuch des Golden Gate Quartets und diesmal verzichtete die Gruppe komplett auf die Darbietung von Evergreens und nichtreligiösen Standards. Bevor das Finale aller begann, sangen sie am zweiten Abend zusätzlich "Amen". Immer wenn Clyde Wright das Publikum animierte, mitzusingen, tat er dies in einer dezenten und angenehmen Weise.

Am ersten Abend habe ich mich kurz mit den einzelnen Mitgliedern unterhalten und dabei erfahren, dass Napoleon Brown - Wright machte seine ersten Aufnahmen mit ihm, Thermon Ruth und den Selah Jubilee Singers - im letzten Jahr verstarb und ein Verwandter von ihm war. Frank Davis war in den achtziger Jahren Mitglied von Arthur Crumes Soul Stirrers.

Ich habe zwei sehr angenehme und bewegende Darbietungen genossen und möchte mich dafür ausdrücklich bei Janice Harrington bedanken!

Bernd Grimmel
http://www.gospel-news.de.vu/

noch unkommentiert... druckerfreundliche Ansicht


 
verwandte Links
NEU!
Diskussion
Golden Gate Quartet in Lüneburg | Benutzeranmeldung | 0 Kommentare
Kommentaranzeige:
Wir sind nicht verantwortlich für Kommentare unserer Benutzer

Powered by PostNuke   Gospel-Infos, Gospel-Termine, Gospel-Workshops, Gospelchor-Landkarte, Forum  © 2003-2012 by Gospelszene Impressum, Kontakt, Wer wir sind  
Wenn dieser Text stehenbleibt, is Javascript ausgeschaltet, Animationen sind dann aus.