_Historie der Spirituals_

Bei vielen afrikanischen Stämmen begleitete, bzw. begleitet auch heute noch, Singen die täglichen Feld- und Hausarbeiten. Diese Gewohnheit behielten die Sklaven in Nordamerika bei. Für ihre Herren hatte das den Vorteil, daß singende Sklaven Arbeiten williger und zufriedener verrichteten. Die Gewohnheit tagsüber zu singen findet sich auch heute noch in schwarzen Familien und deren Umfeld. Zusätzlich war/ist die afrikanische Tonleiter anders als die europäische und enthält Zwischentonschritte, sogenannte "blue notes". Die Sklavenhändler versorgten die Neue Welt mit Menschen aus unterschiedlichen Regionen Afrikas. So kamen die meisten Sklaven für die englischen Kolonien aus der Sahelzone, während spanische und portugiesische Händler ihre Sklaven aus Westafrika nach Südamerika und in die Karibik brachten. In der Sahelzone war/ist es üblich, Zupfinstrumente zu verwenden. Ferner wurden dort Stammesgeschichten und Überlieferungen in Form von Liedern von Generation zu Generation weitergegeben, da diese Stämme keine Schrift entwickelt hatten. Hier finden sich erste Parallelen zum ländlichen Blues. In Westafrika hingegen sind Trommeln die hervorstechenden Instrumente und dies erklärt, warum in Südamerika und der Karibik hauptsächlich Schlaginstrumente genutzt wurden. Zudem war es den nordamerikanischen Schwarzen verboten, zu trommeln, da man befürchtete, sie könnten Nachrichten übermitteln. New Orleans war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine beliebte Einwandererstadt für Schwarze aus der Karibik . Diese Einwanderer brachten Schlaginstrumente mit und ihre Musik war stärker rhythmisch ausgeprägt. Als Synthese aus der europäisch beeinflußten Brassmusik und dem Gebrauch von Trommeln und Rhythmusinstrumenten wurde später in New Orleans der Jazz geboren.

In der Zeit vor 1800 entstanden jene Lieder, die heute als Spirituals bezeichnet werden. Vermutlich wurden sie während der Arbeit und auch während Zusammenkünften gesungen und verdeutlichen oft in bildlicher Sprache Textstellen aus dem Alten Testament.

Unterschiede zwischen Spiritual und Gospel:

  1. Die Spiritual sind echte Gruppenschöpfungen, während Gospel Songs in der Mehrzahl komponiert werden.
  2. Die Bilderwelt des Spirituals entstammt hauptsächlich dem Alten Testament, während die Gospel Songs sich gewöhnlich auf den Leidensweg Jesu Christi und die Botschaft des Neuen Testaments beziehen.
  3. Durch den Einbezug von Jazz-Elementen sind Gospels rhythmisch intensiver, zupackender, vitaler als die meisten Spirituals.

Spiritual ist eine Musikrichtung, die in Amerika mit Beginn der Sklaverei im 16. Jahrhundert entstanden ist. Die Spirituals sind als Wurzel des Gospels anzusehen.

Inhalte
Die Spiritualtexte sind überwiegend religiösen Inhaltes und erzählen von dem Leben geschlagener, geschundener und sehnsüchtiger Menschen (den Sklaven). Die Texte erzählen von der Hoffnung dieser Menschen und ihrem Glauben an Gott...

Entstehungsgeschichte
1619 trafen die ersten aus Afrika verschleppten Sklaven im amerikanischen Bundesstaat Virginia ein. Sie wurden auf den großen Tabak- und Baumwoll-Plantagen zur Zwangsarbeit eingesetzt. Diese Arbeit war hart, kleinste Vergehen wurden streng und brutal geahndet. Die Bestrafung mit der Peitsche war üblich und alltäglich.

Die tiefe Verwurzelung der christlichen Kirche in der weißen Bevölkerung erklärt die Skrupel, Christen als Sklaven zu halten. So erklärt sich auch, warum niemand auch nur das geringste Interesse hatte diese Menschen zu missionieren. Man hätte sie nicht mehr als Sklaven halten und einsetzen können. Diesem "Dilemma" entkamen die Sklavenhalter durch ein Gesetz im Jahr 1667, welches festlegte, dass der Übertritt eines Sklaven zum Christentum an dessen sozialer Stellung nichts änderte.

Schon vor Verabschiedung dieses Gesetzes gingen die Schwarzen mit ihren Besitzern in die Gottesdienste der christlichen Kirchen. Es ist jedoch kaum vorstellbar, dass die Menschen von diesen Veranstaltungen auch nur im Mindesten berührt wurden. Nach 1667 änderte sich dies langsam. So kamen die Gottesdienste der Methodisten und Baptisten durch ihre bodenständige Art bei den Sklaven besonders gut an. Die Leidensgeschichte Jesu berührte sie zunehmend. Für die Entstehung der Spirituals wichtig zu wissen ist, dass die Afrikaner selbstverständlich Dinge aus ihrer Heimat mitbrachten: ihre Überlieferungen, ihren Mehrgottglauben und die religiöse Ekstase.

So entstanden langsam eigenständige schwarze Kirchen und die afrikanische Religiosität vermischte sich mit der christlichen Lehre. Da Musik, Tanz und Gesang untrennbar mit dem afrikanischen Alltag verbunden war, wurde sie zu einem wichtigen Bestandteil der schwarzen Gottesdienste. In der rhythmischen Zwiesprache des Predigers mit der Gemeinde entwickelten sich spontan Lieder, die einen Bibeltext als zentrales Element hatten. Diese Spirituals waren die Lieder, welche die Sklaven im Alltag sangen. Sie entstanden in freier Improvisation und wurden mündlich überliefert.

Die Vielschichtigkeit der “corn ditties” (Mais-Liedchen) lässt unterschiedliche Deutungen zu. Zum einen stehen Anspielungen auf die soziale Situation neben der Jenseitsgläubigkeit. Der Aufruf zum Protest steht neben der Sehnsucht nach Freiheit. Der Glaube an Jesus steht neben dem Bedürfnis nach einem Führer zur Errettung aus der Sklaverei. Sobald die weiße Herrschaft Elemente der Spiritual als heidnisch erkannte, wurden diese verboten. So verschwanden der Tanz, das Trommeln, die Fetische und Altäre. Aus dem Trommeln zum Beispiel wurde das bekannte Klatschen oder Stampfen.

Aber auch durch Weiße enstanden Spirituals wie das wohl meistgesungene "Amazing Grace"

Spritual als geheimes Kommunikationsmittel
In den rund 250 Jahren der Sklaverei wurden etwa 10 Millionen Schwarze nach Amerika verschleppt. Die weißen Besitzer mussten häufig in Furcht vor einem Aufstand leben. Zwischen 1670 und 1865 gab es 130 bewaffnete Aufstände durch Sklaven, die aber weitgehend blutig niedergeschlagen wurden. Trotzdem ist anzunehmen, dass Fluchtgedanken immer präsent waren. Allerdings war der Weg aus dem Süden ins freie Kanada weit und beschwerlich. Ab ca. 1830 wurden die Fluchthelfer und ihr Netzwerk aus Schutzhäusern, Fluchtwegen und geheimen Kommunikationsmitteln unter dem Namen "Underground Railroad" bekannt.

Es entwickelte sich auch eine Art geheimer Sprache, "grape-vine telegraph" genannt, die in Signalen, unverdächtigen Worten, Passworten oder blumiger Ausdrucksweise über Fluchtbewegungen informieren und Flüchtlinge leiten konnte. Und nicht zuletzt wurden Fluchtanweisungen in Liedern, Coded Songs, verpackt, um sie vor den Ohren der Weißen zu verbergen.

Bekannte Spiritual - Sänger / Sängerinnen

  1. Fisk Jubilee Singers

Beispiele

  1. Go down, Moses
  2. [Joshua fight the battle of Jericho]

----=== Quellen: ===

[http://www.derchor.de] Der Chor & Band Gospelpower!

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Erstellt am 27. Februar 2008 von Karsten Sievert, letzte Änderung am 27. Februar 2008