Einen interessanten Artikel über das Jahr 1968, die Ermordung von Martin Luther King und u. a. die Staples Singers hat DiePresse.com mit
"1968 – Es gab nicht nur weiße Musik" veröffentlicht.
Persönliche Erinnerungen: An die Ermordung Dr. Kings kann ich mich noch gut erinnern. 1968 hatten mich schwarze Gospelmusik, Blues, Soul und Funk längst gefesselt.
Auch Bluesmusiker griffen politische Themen auf und bereits 1965 trat J.B Lenoir anlässlich des American Folk Blues Festivals auf und sang seinen Alabama Blues. Lenoir hatte weitere „brisante“ Themen in seinem Repertoire, etwa den „Vietnam Blues“.
Im R&B hatte der aggressivere Atlantic-Soul den Motownsound abgelöst. Auch Motown war deutlich vom Gospel beeinflusst, etwas die alten Supremes mit „Back In my Arms Again“ oder Aufnahmen von Martha und die Vandellas. Diana Ross war ein Fan von Ernestine Rundless und Detroits Meditation Singers. In der Soulmusik hatte Aretha Franklin ihre eigene familiäre Geschichte und Wilson Pickett war Mitglied der Violinaires gewesen. King Curtis blies ein eindrucksvolles selbstbewusste Saxophon, Sam und Dave waren das weltliche Pendant zu den O’Neal Twins und James Brown nahm das Swanee Quintet seiner Heimatstadt Augusta mit auf Tournee. Browns Band begleitete Studioaufnahmen der Swanees.
„Why Am I Treated So Bad” wurde vom Cannonball Adderley Quintet aufgegriffen und ich war überrascht, als beide Adderleys zusammen mit Joe Zawinul es in Frankfurt zum Besten gaben. Die Staples habe ich 1971 oder 1972 gesehen und leider trugen sie nur ihre damaligen Charthits vor. Anschließend produzierten sie seichten Discosound und erst in den Neunzigern wandte sich Pops als alter Mann wieder Gospels und Freedomsongs zu. Mavis hat im letzten Jahr ein Album eingespielt, welches die Zeit der Bürgerrechtsbewegung aufgreift: „We’ll Never Turn Back“.
Hierzulande gab es damals weiterhin Folk Blues Festivals und B.B.King und Muddy Waters tourten unabhängig davon. Joe Tex, Carla Thomas und Aretha Franklin traten auf, auch Wilson Pickett und King Curtis, die ich leider nicht gesehen habe. Tex, Thomas, Franklin und King zogen das schwarze GI-Publikum an und schafften damit eine eindrucksvolle Atmosphäre. Leider hatten Lippmann und Rau die Gospelfestivals eingestellt und ließen stattdessen die Robert Patterson Singers gastieren. 1968 waren auch die Stars of Faith in Frankfurt.
In der US-Gospelmusik trat ein Wandel ein. Andrae Crouch orientierte sich in seinen Arrangements mehr an der gängigen populären Musik und der Einfluss der Gospelmusik auf den R&B nahm ab zugunsten einer umgekehrten Entwicklung. Die jüngere schwarze Generation konnte und wollte mit den jenseitsgerichteten Texten des Goldenen Zeitalters nichts mehr zu tun haben und blickte nach Vorne.
Wer sich für die damaligen Aktivitäten der US-Gospelszene in Deutschland interessiert, sei auf den Artikel „Gospel in Deutschland“ auf
http://www.gospel-news.de.vu verwiesen. Dort findet sich auch eine Abhandlung über die Geschichte der Gospelmusik. Die auf den Zeitungsartikel bezogene Epoche der Nachsechziger und Anfänge des Contemporary sind am Ende des Artikels dargestellt.
Bernd
Danke Schon for posting. I love it...