Chicago

New Orleans gilt als Wiege des Jazz und Harlem hat zur Weiterentwicklung dieser Musik wesentliche Impulse geliefert, für die Entwicklung der Gospelmusik hingegen steht Chicago!

Die "Windy City" war durch ihr liberales Klima die bevorzugte Stadt schwarzer Zuwanderer aus den Südstaaten und bot mit ihren großen Schlächterein Arbeit. So bezeichnet Tony Heilbut im Text zu der von ihm veröffentlichten LP "Chicago Gospel Pioneers, Spirit Feel SF 1004, 1987" Chicago als "Vatikan" der Gospelmusik. Zwischenzeitlich dürfte Los Angeles die Stadt am Michigansee vom ersten Rang verdrängt haben. Thomas A. Dorsey lebte in Chicago und arbeitete mit Sallie Martin zusammen. Martin und Morris hatte hier ihren Verlag und publizierten Gospelsongs. Sallie Martin und ihre Singers waren zudem eine der ersten bedeutenden weiblichen Gospelgruppen von nationaler Bedeutung. Auch Mahalia Jackson zog es von New Orleans nach Chicago, sie veröffentlichte dort ihre ersten Aufnahmen und lebte bis zu ihrem Tod in dieser Stadt.

Bedeutendstes Ensemble der "Windy City" waren jedoch die Roberta Martin Singers. Diese gemischte Gruppe beeinflußte den Gospelsound der gesamten damaligen Zeit und aus ihr gingen weitere bedeutende Solisten/innen hervor. Vor allem muss in diesem Zusammenhang Robert Anderson erwähnt werden. Weitere bekannte Mitglieder dieser Gruppe sind Bessie Folk, Willie Webb, Eugene Smith und Norsalus McKissick. Auch Delois Barrett Campbell begann ihre Karriere bei Roberta Martin und gründete später mit ihren Schwestern die Barrett Sisters. Es waren die Roberta Martin Singers, die jenen Sound prägten, der noch heute als "Chicago Sound" bezeichnet wird und sich durch eine eher ruhigere und künstlerisch ausgefeilte Darbietung auszeichnet.

Robert Anderson wiederum stand Pate, als James Cleveland und Albertina Walker die Caravans ins Leben riefen. Der Einfluß der Caravans auf andere Frauengruppen ist bis heute nachhaltig und so lässt sich die Reihe bedeutender Solistinnen im Umfeld der "Vans" mit Inez Andrews, Delores Washington und Imogene Greene fortsetzen. Dies bedeutet nicht, dass die jeweils genannten Interpreten aus Chicago stammen, die Stadt wurde allerdings zu ihrer Heimat und ihr Einfluß ist noch heute spürbar. Weitere bekannte Sängerinnen sind Gladys Beamon Gregory, Lucy Smith, Irma Gwynn und Princess Stewart. Legendär, laut Heilbut, soll Myrtle Scott gewesen sein, von der jedoch kaum Aufnahmen existieren. Neben den Caravans waren die Gay Sisters und die Argo Singers hier zu Hause. Denkt man an James Cleveland und Imogene Greene so assoziiert man fast automatisch Jessy Dixon, einen weitereren großartigen, bedeutenden Sänger Chicagos.

Von den Quartetten muss an die Soul Stirrers erinnert werden, deren Karriere in Chicago begann, nachdem Rebert H. Harris Texas verlassen hatte. Harris und die Stirrers haben die gesamte Quartettszene verändert und waren an der Entwicklung des neuen "gospel style" im Quartettgesang maßgeblich beteiligt. Auch die Highway QC's kommen aus Chicago und sind neben den Windy City Four eines der älteren und bekannteren Quartette, die über Jahrzente aktiv geblieben sind. Von den Chören sei an Milton Brunson und die Thompson Community Choir, an Maceo Woods und den Christian Tabernacle Baptist Church Choir sowie an Jessy Dixons Chicago Community Choir erinnert und derzeit ist der Chicago Mass Choir einer der führenden und aktuellen Chöre.

Sweet Home Chicago!
Bernd Grimmel

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