Fisk Jubilee Singers
Die Fisk University, anfangs Fisk Free Colored School, wurde in Nashville, TN direkt nach dem Bürgerkrieg von Missionaren aus dem Norden gegründet. Der Schatzmeister der Schule, ein Gettysburg-Veteran namens George White, liebte Musik und war bewegt von den Sklavenhymnen, die er manchmal aus den Flühtlingscamps hörte, aber es war schwierig, seine jungen Studenten dazu zu bewegen, die Lieder zu singen, denn sie erinnerten an die Sklaverei und andere Dinge, die man am liebsten vergessen hätte. George begann, diese "geheimen Lieder", "Slave Songs", Sklavenlieder, mit Hilfe seiner Sekretärin, Ella Sheppard, zu sammeln und zu arrangieren. Ella brachte ihm "O Freedom" und "Swing Low, Sweet Chariot", die ihre Mutter ihr als Schlaflieder beigebracht hatte. Mit der Zeit sammelten White und Sheppard über 100 Songs, und reihten sich damit in die Riege derjenigen ein, die die Slave Songs vor dem Vergessen bewahrten.
1871 war Fisk (die Fisk University) am Rande des finanziellen Zusammenbruchs, und George White nahm eine Gruppe junger Sänger auf eine Tournee entlang des "Underground Railroad", in der Hoffnung, sich in die Herzen der Leute zu singen und genug Geld zu sammeln, um die Schule zu retten. Zunächst hatten sie stark gegen Rassismus und Gleichgültigkeit zu kämpfen, aber schliesslich hatte die Gruppe einigen Erfolg in Ohio, und schaffte es dann nach New York, wo Henry Ward Beecher in seiner Plymouth Church in Brooklyn so bewegt war, dass er seine reichen Gemeindemitglieder bat, großzügig für Fisk zu spenden. Plötzlich öffneten die Kirchen von New York ihre Tore, und Besucher kamen in Scharen, um "the genuine soul music of the slave cabins, before the Lord led his people out of the house of bondage" (die unverfälschte Soul Musik der Sklavenhütten, bevor der Herr sein Volk aus der Gefangenschaft befreite) zu hören.
Damit begann eine Serie von erfolgreichen Touren durch England, Europa und die USA, die zwar sehr anstrengend waren, aber genug Geld zusammenbrachten, um Fisk's Schulden zu tilgen und schöne neue Universitätsgebäude zu errichten.
Sie waren damit das erste afro-amerikanische Ensemble, das international tourte, und dabei zunächst Anerkennung, und später Ruhm erreichte.
1871 tourten die neun Gründungsmitglieder durch die USA und Europa. Zwei Jahre später wuchs die Gruppe auf elf Mitglieder, die die zweite Europa-Tour unternahmen.
Die Jubilee Hall, errichtet aus den Einnahmen der Tour, die als eines der ältesten Gebäude der Universität vom US Innenministerium zum National Historic Landmark erklärt wurde, beherbergt ein deckenhohes Portrait der Urbesetzung der Gruppe, ein Geschenk von Queen Victoria of England.

Im Fisk-Repertoire sind so bekannte Stücke wie "Down By The Riverside," "De Gospel Train," "Were You There," "Rockin' Jerusalem," "Nobody Knows the Trouble I See," "He's Got the Whole World In His Hands," "I'm Got A Home In-A Dat Rock". Die Universität hält bis heute die Tradition der Jubilee Singers aufrecht.

Fisk Jubilee Singers, 1997
Unten ein Link mit Audio-Files; man beacht den europäisch-sauberen Gesangsstil, der offenbar daher rührt, dass sich damals sauberes Singen an weißem Gesang orientierte. Später hat man einen schwärzeren Gesangsstil als eigene Kultur wiederentdeckt. Bemerkenswert auch, dass die Slave Songs, die sicherlich in den Flüchtlingscamps nicht mehrstimmig arrangiert gesungen worden waren, hier (vielleicht erstmals) durcharrangiert wurden. Damit begann eine Art künstlerischer Aufarbeitung der Sklavenzeit, die stilistisch die nächsten 50 Jahre stark geprägt hat.
Diese Gruppe bestand laut Originalfoto aus fünf Sängerinnen und drei Sängern und ist somit eine gemischte Gruppe und kein Quartett. Interessanterweise gab es jedoch an der Fisk University und anderen Universitäten auch Quartette, die jedoch nicht auf Konzerttourneen geschickt wurden. In ihren Liedern haben sich die Fisk Jubilee Singers an der europäischen Gesangstradition orientiert. Es galt damals und noch viele Jahre später als deplaziert und minderwertig, anders zu singen, als Weiße dies taten. Aus dieser Haltung heraus entstand jene Form der Spiritualdarbietung, die heute als Konzertspirtuals bezeichnet wird. Sie findet sich nach wie vor bei schwarzen Sängern und Sängerinnen mit klassischer Gesangsausbildung.
Weblinks und Quellen
- Fisk Universität: http://www.fisk.edu/index.asp?cat=16
- Bio mit zwei beeindruckenden Audio-Files: http://www.singers.com/gospel/fiskjubileesingers.html

