Konzert-Spirituals

Unter Konzert-Spirituals versteht man die Darbietung von Spirituals durch afroamerikanische Sänger und Sängerinnen mit klassischer Gesangsausbildung: Opernsänger und -sängerinnen, die Spirituals wie "Lieder" vortragen.

Man kann davon ausgehen, dass auch die Fisk Jubilee Singers auf ihren Konzertreisen ihre Songs nach europäischem Gesangsideal vorgetragen haben. Damals galt schwarzer religiöser Gesang, wie er in den Kirchen des Südens üblich war, als unkultiviert und "roh". Schwarze Sänger und Sängerinnen mit bemerkenswerten Stimmen versuchten im Operngesang Fuß zu fassen und ließen sich entsprechend ausbilden. Als Zugeständnis an ihr kulturelles Erbe interpretierten sie auch Spirituals und andere geistliche Lieder, mit denen sie aufgewachsen waren, allerdings nun in klassischer Gesangsweise. Diese Tradition ist alt und muss als eigenen Stilrichtung gesehen werden. Ihre Interpreten haben einen wesentlichen Anteil an der Verbreitung und Popularität der Negro Spirituals.

Zu den Konzert-Spiritual-Interpreten zählen u.a. Marian Anderson, Paul Robeson, Jessye Norman, Gloria Day und Grace Bumbry. Ein früher in Deutschland lebender und beliebter Basssänger war Kenneth Spencer, dessen klassische Spiritualinterpretationen sich auch nach über vierzig Jahren großer Beliebtheit erfreuen.

Bernd Grimmel

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