Quartet
Um 1850 findet sich in einem Reisebericht der erste Hinweis auf schwarze Quartette. Nicht überliefert wurde, ob es sich ausschließlich um Männerformationen handelte und ob die Bezeichnung "Quartett" sich auf die Zahl von vier Singenden bezog. Somit ist Quartettgesang neben dem "community singing" die älteste Form afroamerikanischer religiöser Musik. Es gibt ferner eine Theorie, die besagt, daß die Trennung der Sklaven in ihren Behausungen nach "Männlein und Weiblein" zur Entstehung des Quarettgesangen beitrug.
Die ersten religiösen Tonaufnahmen waren Quartettaufnahmen vom Unique Quartette und wurden im Herbst 1893 in New York aufgenommen. Ob diese Zylinderaufnahmen nur katalogisiert oder auch veröffentlicht oder gar wiederveröffentlicht wurden, entzieht sich meiner Kenntnis. Allerdings lassen die Titel "Camp Ground Jubilee", "Big Bell Ringing In Zion" und "Peter, Go Ring Dem Bells" auf "Gospels" schließen. Die Zylinderaufnahmen des Standard Quartette von 1894 weisen die Titel "Swing Low, Sweet Chariot" und "Steal Away To Jesus" aus. Aus dem gleichen Jahr stammen von den Kentucky Jubilee Singers "Roll, Jordan Roll" und "Blow, Gabriel, Blow"
Die ersten wiederveröffentlichten schwarzen Gospelaufnahmen stammen vom Dinwiddie Colored Quartet und wurden am 29. und 31. Oktober 1902 aufgenommen. Produziert wurden sie für den weißen Markt, da Schwarze nicht das Geld besaßen, sich Schallplatten kaufen zu können. Auch die Bezeichnung "Colored" verweist auf ihre Herkunft und sollte den Käufer darüber informieren, wer die Interpreten waren. Auch hier sind es wiederum Quartettaufnahmen, die als erste auf Schallplatten gepreßt wurden. 1909 nahmen Polk Miller and his Old South Quartette weitere Aufnahmen auf. Nachdem viele Schwarze in die Industriestädte des Nordens zogen und dort Arbeit fanden, hatten sie auch genügend Geld, um sich Schallplatten kaufen zu können. Speziell für diesen Käuferkreis wurden nun Platten produziert, die der weißen Bevölkerung meist nicht bekannt waren. Diese Aufnahmen bezeichnet man als Race Records. Auf solchen Race Records wurden Blues- und auch Gospelaufnahmen gepreßt und sie gehören zu den wichtigen ersten Tondokumenten schwarzer Musik, die auch überregional vertrieben wurden
Auch die industrialisierten Zentren des Südens zogen schwarze Arbeiter an und hier muß besonders Jefferson County in Alabama erwähnt werden. In Bessemer, Ala. gab es Stahlwerke und mit dem Zuzug Schwarzer brachten diese auch ihre religiöse Musik aus anderen Landesteilen mit. Die Quartettmusik hatte sich zu einem wesentlichen Bestandteil der afroamerikanischen religiösen Musik entwickelt und in Jefferson County gab es eine beträchtliche Anzahl von Quartetten. Charles Bridges begann hier in den 20er Jahren Quartettgesang zu lehren. Zwar hatte Bridges keine musikalische Ausbildung jedoch Gesangsunterricht genossen. Sein Ziel war es, den alten ländlichen Jubileestil, besser "country style" genannt, durch mehr gefühlsmäßige Erregung während des Singens, Atemkontrolle, reichhaltigere Klangstrukturen und größeren Spielraum der Stimmen zu erneuern. Er führte Synkopen und schnellere "Up-Tempo"-Arrangements ein sowie einen lebhaften Bassgesang. Er schulte die Sänger und da er mit den Birmingham Jubilee Singers Schallplatten aufnahm, konnte er diese neue Interpretationsweise weiter verbreiten und Maßstäbe setzen. Bridges verstand es, seine Zuhörerschaft in Erregung zu versetzen und sein Leadgesang war vorbildlich. Charles Bridges Einfluß auf die Entwicklung des Quartettgesanges und der Gospelmusik waren somit wesentlich und entscheidend. Leider scheint dieser Beitrag in der Entstehungsgeschichte der Gospelmusik inzwischen weitgehend vergessen worden zu sein.
Aus den 20er Jahren gibt es viele Aufnahmen schwarzer Quartette. Diese Formationen verwendeten die Bezeichnung "Jubilee" oder "Sanctified" um auszudrücken, daß es sich um religiöse Musik handelt. Zu den ersten Frauengruppen dürfte Mother McCollum und ihre Sanctified Singers gehören, die 1930 aufgenommen wurden und durchaus Parallelen zu den Angelic Gospel Singers aus den späten 40er Jahren aufweisen.
Zu den "nation wide" bekannten Quartetten gehörte das Norfolk Jubilee Quartet, dessen Aufnahmen aus den 20er Jahren weite Verbreitung und Interesse fanden und deren Leadsänger Norman "Crip" Harris als einer der ersten großen Leadsänger und "Gospelstars" bezeichnet werden muß.
Einige der wichtigsten und erfolgreichsten Quartette aus Gospel's Golden Age, also den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts, wurden bereits in den zwanziger Jahren gegründet: Die Fairfield Four 1921, die Selah Jubilee Singers 1926, die Harmonizing Four 1927, die Heavenly Gospel Singers 1927, die Dixie Hummingbirds 1928, die Kings of Harmony (Alabama) 1929, die Soul Stirrers 1929 und auch bereits Ende der 20er Jahre, das Spirit of Memphis Quartet. Sowohl die Fairfield Four als auch die Dixie Hummingbirds, Soul Stirrers und das Spirit of Memphis bestehen bis heute fort.
Die Quartetszene änderte ihren Stil vom "country" hin zum "jubilee". Als Stil wird "jubilee" eher ruckartig gesungen, ist künstlerisch verfeinerter aber auch festgelegter. Die Leadsänger haben wenig Improvisationsmöglichkeiten und eine individuelle Ausgestaltung war kaum möglich. Der neue Stil wird am besten vom 1934 gegründeten Golden Gate Quartet dokumentiert aber auch viele andere Quartette folgten dieser Richtung. Das Golden Gate Quartet hatte die stilistischen Elemente von einer weltlichen Gruppe, den Mills Brothers, übernommen. An bedeutenden Quartetten dieser Zeitspanne müssen die Folgenden erwähnt werden: Die Selah Jubilee Singers, 1931 zum ersten Mal aufgenommen, die Golden Eagle Gospel Singers, 1937 aufgenommen, die Alphabetical Four mit ersten Aufnahmen von 1938, die Jubalaires, die Reliable Jubilee Singers usw.. Andere bedeutende Quartette lösten sich in dieser Zeit auf, etwa die Birmingham Jubilee Singers und die Norfolks. Bill Landford verließ 1940 das Golden Gate Quartet und gründete die Southern Sons, die 1943 aufnahmen.
Bedeutende Quartette, die in Gospel's Golden Age weisen und dort berühmt wurden, datieren ihre Gründung in diese Epoche. Die Five Blind Boys of Mississippi wurden als Jackson Harmoneers 1932 gegründet, die Five Blind Boys of Alabama als Happyland Singers 1937 und dieFlying Clouds of Detroit 1937. Auch Mitchell's Christian Singers sind eine Gründung der frühen dreißiger Jahre und traten beim Carnegiekonzert auf obwohl sie weiterhin dem alten Stil verhaftet geblieben waren. Die Paramount Singers geben als Gründungsjahr 1937 an, die Pilgrim Travelers 1936, das Swanee Quintet 1940, die Swan Silvertones 1938 und die Zion Harmonizers 1939.
Besondere Erwähnung verdienen die Heavenly Gospel Singers. Dieses Quartett, 1927 gegründet, nahm zwischen 1935 bis 1941 eine stattliche Anzahl ausgezeichnet arrangierter Songs auf und weist stilistisch deutlich in den Quartettgesang der großen "quartets" aus Gospel's Golden Age. Die Heavenlys waren schlicht ihrer Zeit voraus. Ihr Tenor Jimmy Bryant war berühmt und es war William Bobo, der spätere Basssänger der Dixie Hummingbirds, der ihn ab 1939 ersetzte.
Bei den Frauengruppen geben, neben den Sallie Martin Singers und Ward Singers, die Southern Harps 1934 und die Angelic Gospel Singers 1942 bzw. 1944 als Gründungsjahr an
Der Quartettstil entwickelte sich Ende der vierziger Jahre weiter und löste den eher formalen Jubileestil ab. Die Musik wurde emotionaler und es gab keine Grenzen im Ausdruck religiöser Gefühle und Botschaften. Es war sowohl die große Zeit der Quartette als auch weiblicher und männlicher Solisten, Frauengruppen, gemischter Ensembles und mitgliederstarker Chöre. Während die Solistinnen der vorherigen Generation bereits eine Begleitung durch Piano und / oder Orgel bevorzugt hatten, war dies im Quartettgesang unüblich geblieben. Nach wie vor sangen die beliebtesten Quartette a-cappella. Dies änderte sich grundlegend um 1950. Zunächst fügten die bekanntesten Quartette zaghaft Schlagzeug und Gitarre hinzu und erweiterten dann ihre musikalische Begleitung durch Piano, Orgel und Bass. Der Backgroundgesang verfeinerte sich zu bislang ungewohnten Harmonien und die Leadsänger spielten mit ihren Stimmen und den Reaktionen des Publikums. Das Publikum tolerierte, was vorher unmöglich gewesen war.
Von den bedeutenden Frauengruppen, die dieser Zeitspanne zugeordnet werden, sind New Orleans Southern Harps, 1934 gegründet, eine jener Gruppen, die 1947 als erste Schallplatten veröffentlichten. Aus der Gruppe ging Bessie Griffin hervor und auch die Jazzsängerin Linda Hopkins war einst Mitglied. Auch die bereits erwähnten Sallie Martin Singers, 1940 gegründet, nahmen 1947 zum ersten Mal auf.
Seltsamerweise war 1949 das Jahr, in dem gleichzeitig mehrere der großen Frauengruppen in den Studios zu ersten Sessions weilten: Die Gospel Harmonettes, die Angelic Gospel Singers und die Ward Singers.
Die Angelic Gospel Singers stammen aus Philadelphia, der Hochburg der Frauengruppen aus Gospel's Golden Age und Leadsängerin Margaret Allison führt in hohem Alter diese Gruppe heute noch. Mit "Touch Me Lord Jesus" hatten die Angelics bereits 1949 einen Hit, der sich mehr als 100 000 mal verkaufen ließ.
Auch die Ward Singers kommen aus Philadelphia und wurden von Mother Gertrude Ward 1934 gegründet. Neben Mother Ward waren es ihre Töchter Willa und besonders Clara, die erwähnt werden müssen. Clara Ward gehört zu den Gospelgrößen dieser Epoche und die Ward Singers haben mit der Interpretation von Brewster-Songs ihren legendären Ruf erworben. Die Wards fiel 1958 auseinander und Claras nachfolgenden Gruppierungen konnten an den Ruf der "alten" Singers nicht mehr anknüpfen. Sie wurden in ihrer Vortragsweise sehr kommerziell, traten in Nachtclubs auf und biederten sich einem weißen Publikum an. Aus den alten Ward-Gruppenmitgliedern, ausgenommen Willa Ward, die nicht mehr aktiv wurde, entstanden mit Marion Williams, Frances Steadman, Kitty Parham, Henrietta Waddy und Esther Ford die Stars of Faith, ebenfalls in Philadelphia beheimatet. Die Stars of Faith tourten mit Black Nativity und traten häufig in Europa auf. Ihre gesanglichen Möglichkeiten blieben letztlich hinter deren als "alte" Ward Singers zurück und Marion Williams verließ die Gruppe, um eine erfogleiche Solokarriere zu starten.
Eine weitere wichtige Philadelphia-Frauengruppe waren die Davis Sisters mit ihrer Leadsängerin Ruth Davis und ihrem unvergessenen Pianisten Curtis Dublin. Die Davis Sisters nahmen zuerst 1951 auf und mussten sich nach dem Tod von Dublin, Ruth und anderen Mitgliedern bereits Ende der 60er Jahre auflösen. Sie sind nach wie vor unvergessen und genießen immer noch eine außergewöhnlich anhaltende Popularität.
Um die Liste großer Frauengruppen dieser Stadt zu vervollständigen bedarf es noch der Erwähnung der Imperial Gospel Singers und ihrer Sängerinen Anna Smalwood und Rosie Wallace, die ab 1955 aufnahmen.
Die bedeutendste Frauengruppe der Südstaaten, die Gospel Harmonettes, kam aus Birmingham, Alabama. Dieser Gruppe schloss sich bald nach ihrer Gründung Dorothy Love Coates an, die schnell zum wichtigsten Ensemblemitglied wurde. Love Coates war eine eifrige Songschreiberin und führte die Gruppe bis zu deren Auflösung.
Eine weitere in den Südstaaten beheimatete Gruppe waren die Songbirds of the South, deren Mitglied Cassietta George später zu Chicagos Caravans wechselte und dort eine Karriere als Leadsängerin began. Die Songbirds standen 1952 zum ersten Mal in Studio.
Detroits bedeutendstes Frauenensemble waren die Meditation Singers. Diese Gruppe veröffentlichte 1954 erste Aufnahmen und Ernestine Rundless führte sie an. Della Reese war seinerzeit ein weiteres Gruppenmitglied.
Chicagos Antwort auf Philadelphia sind die Caravans gewesen. Albertina Walker hat sie 1952 gegründet und Aufnahmen erfolgten noch im selben Jahr. Aus dieser Gruppe kommen einige der bedeutenden Solisten der Gospelmusik: Albertina Walker, Inez Andrews, Dorothy Norwood, Shirley Caesar und Delores Washington sowie die zwischenzeitlich verstorbenen Sängerinnen Cassietta George, Gloria Griffin und Imogene Greene. Weitere bekannte Chicago-Gruppen aus Gospel's Golden Age sind die Argo Singers mit ihrer Leadsängerin Lorenza Brown Porter, 1951 aufgenommen und die Gay Sisters, die bereits ein Jahr zuvor im Studio standen.
Die Liste der bekanntesten Frauengruppen wäre unvollständig ohne Erwähnung der Drinkard Singers aus Newark, New Jersey, 1938 gegründet, deren Auftritt auf dem Newport Jazz Festival 1957 unvergessen bleibt und deren Pianist Larry Drinkard mit rhythmischem rollenden Spiel brillierte.
Gospel's Golden Age war die Zeit der Quartette. Der Quartettgesang erreichte eine hohe Kunstfertigkeit, kombiniert mit extrem emotionalem Vortragsstil. Die Quartette waren die "house wreckers" und prägten ihrerseits die Entwicklung im Rhythm & Blues und in der kommerziellen Musik. Die Quartettmusik hatte ein eigenständiges, ausgefeiltes Niveau erreicht, sowohl im Lead- als auch im Backgroundgesang. Jedes Label hatte mehrere große Männergruppen unter Vertrag und diese veröffentlichten oft mehrere Schallplatten innerhalb eines Jahres. Viele Aufnahmen wurden wiederveröffentlicht und so ist es leicht möglich, sich heute einen guten Überblick über die einzelnen Gruppen und ihre individuellen Vortragsweisen zu verschaffen. Im Gegensatz zu vielen modernen Quartetten vermittelt das Hören der alten Ensembles den Eindruck, jedes Gruppenmitglied getrennt von den anderen wahrzunehmen und auch die Leadsänger brillierten durch persönliche Eigenständigkeit. Im Folgenden werden die wichtigste "quartets" aufgeführt, die für diese Epoche berühmt sind.
Zu den Quartetten, die bereits in den vierziger Jahren mit dem neuen Stil auf sich aufmerksam machten gehören die Harmonizing Four, die 1943 aufnahmen und deren Basssänger Jimmy Jones und Ellis Johnson zu den bedeutendsten im Gospel gehören.
Die ersten Aufnahmen der Kings of Harmony stammen von 1944 und sie brachten bis 1957 Schallplatten heraus. Ihr bedeutendster Leadsänger war Walter Lattimore, der bereits 1948 verstarb.
Die Fairfield Four standen 1946 zum ersten Mal im Studio und sie behielten ihren a-cappella Stil bis 1960 bei. Wichtige Mitglieder waren Sam McCrary, James Hill und Isaac "Dickie" Freeman. Aus der Gruppe ging eine weiteres großes Quartett hervor, die Skylarks, von Freeman und Hill gegründet und bereits 1951 aufgenommen.
Specialtys erfolgreichstes Quartett waren die Pilgrim Travelers, die 1946 aufgenommen wurden und deren Sänger Keith Barber und Kylo Turner sich den Leadgesang teilten. Am Ende von Gospel’s Golden Age war es Lou Rawls, der die Leadparts der Gruppe übernommen hatte. Mit „Mother Bowed“ hatten sie 1948 einen Hit.
Auch die ersten Einspielungen des Spirit of Memphis Quartet stammen aus den späten Vierzigern. Diese berühmte Gruppe vereinigte drei bedeuteden Leadsänger, Silas Steele, Willmer "Little Axe" Broadnax und Jethroe Bledsoe. Besonders Steele und Broadnax ergänzten sich im abwechselnden Leadgesang in aussergewöhnlicher Weise, Steele mit mächtiger, donnernden Stimme und „Little Axe“ mit hohem, klagendem Tenor während Bledsoe mit beiden eindrucksvoll harmonierte.
Die Soul Stirrers waren bereits Ende der dreißiger Jahre von Alan Lomax aufgenommen worden, standen in den frühen Vierzigern erneut im Studio, aber erst ab 1945 nahmen sie regulär auf. Ihr erster bedeutender Leadsänger war Rebert H. Harris, der seinerseits wiederum den gesamten Leadgesang im Quartett beeinflusste. Harris verließ die Stirrers 1951 und Sam Cooke wurde sein erfolgreicher Nachfolger. Bis zu seinem Wechsel zum R&B war Cooke einer der meistgeschätzen Leads und brillierte mit einem schönen, spielerischen und leicht hartem Tenor. Mit Johnnie Taylor, Paul Foster, Jimmy Outler, Martin Jacox und Willie Rogers war die Gruppe am Ende dieser „goldenen“ Zeit immer noch sehr erfolgreich. -
Harris und andere seiner alten Soul Stirrers-Kollegen traten als Christland Singers erfolgreich auf.
Eine weitere erfolgreiche Gruppe dieser Epoche, die Dixie Hummingbirds, stand 1944 zum ersten Mal im Studio und begann ab 1946 regelmäßig aufzunehmen. Der bedeutendste Leadsänger der Birds ist Ira Tucker, „second lead“ James Walker kam 1954 hinzu und blieb Mitglied bis zu seinem Tod 1992. Ihr Gitarrist Howard Carroll gilt als einer der besten im Gospel.
Auch die beiden Blind Boys-Gruppen, die Five Blind Boys of Mississippi und die Five Blind Boys of Alabama gehören zu den Stars der Fünfzigern. Die Mississippis waren ebenfalls von Lomax 1937 für die Kongreß-Bibliothek aufgenommen worden und ihr bedeutendster Lead war der 1960 verstorbene Archie Brownlee. Die Gruppe war für ihre extatische, mitreißende und emotionale Auftritte berühmt und mit „Our Father“ hatten sie 1950 einen Hit unter den ersten zehn der R&B-Charts. Die anderen Blind Boys waren die Alabamas mit ihrem Leadsänger Clarence Fountain. Sie nahmen 1948 zum ersten Mal auf und wechselten 1953 zu Specialty.
Die Swan Silvertones standen 1946 im Aufnahmestudio. Ihr Leadsänger Claude Jeter war der erste, der Falsetto sang und diese Kunstfertigkeit in den Quartettgesang einführte. Neben Jeter müssen Paul Owens und Louis Johnson Erwähnung finden, beides „hard leads“ und beide Jeter unterstützend und ergänzend.
Die ersten Aufnahmen der Sensational Nightingales datieren von 1949 und ihr berühmtester Leadsänger Julius "June" Cheeks stand mit ihnen 1951 zum ersten Mal im Studio. Cheeks ist eine der großen „Figuren“ des Golden Age of Gospel, „the baddest man on the road“ und beeinflusste viele Leads durch seine expressive Vortragsweise und sein imposantes Verhalten auf der Bühne. Auch Gitarrist Joseph "JoJo" Wallace gehört zu den bedeutenden Gitarristen im Quartett-Gospel.
Weitere wichtige Männergruppen waren die Bells of Joy, die 1951 mit „Let’s Talk About Jesus“ erfolgreich waren und die Chosen Gospel Singers, ab 1952 aufgenommen. Lou Rawls startete seine Karriere in dieser Gruppe und als sie sich auflösten, entstanden unter „Country Boy“ Willie Neal Johnson die Gospel Keynotes.
Aus Detroit kamen die Flying Clouds of Detroit, die mit den Soul Stirrers und Dixie Hummingbirds erfolgreich wetteiferten.
Die Highway QC's sind eine Chicago-Gruppe und „lieferten“ Nachwuchs für die Soul Stirrers. Sam Cooke und Johnnie Taylor waren Mitglieder der QC's. Spencer Taylor ist ihr langjähriges, wichtigstes Mitglied und mit „Somewhere To Lay My Head“ hatten sie 1955 einen großen Erfolg.
1953 standen die Pilgrim Jubilee Singers, inzwischen umbenannt in Pilgrim Jubilees im Studio und die beiden Graham Brüder Clay und Cleve, sowie Major Roberson sind alte Veteranen aus der „goldenen Zeit“. Die Trumpeteers, ein vertraglich unter Columbia/CBS stehendes Quartett brachten ihr berühmtes „Milky White Way“ 1950 heraus und das Swanee Quintet mit seinem „funky down home rhythms“ nahm 1951 zum ersten Mal und ab 1956 regelmäßig auf. Vorsänger Johnny Jones ähnelte stimmlich Sam Cooke und Ruben Willingham war ein ausgezeichneter „hard lead“.
Die Brooklyn All Stars sind eine weitere wichtige Gruppe mit Tendenzen zum Bass-Lead; Thomas Spann gehört zu den großen Basssängern im Gospel. Und auch die Radio Four verdienen mit ihren simplen, effektvollen Arrangements Erwähnung. Diese Gruppe, allesamt Babb-Brüder, nahmen ab 1952 auf und Morgan Babb dürfte der bekannteste der Geschwister sein.
Ab Mitte der fünfziger Jahre begann sich der Backgroundgesang im Quartett zu verändern. Mitbedingt durch Claude Jeters Falsettoleads begannen die Gruppen deutliche Tenorbetonungen in der Begleitung einzuführen. Neben anderen Gruppen waren hier die Sensational Nightingales bahnbrechend aber auch Alex Bradford nutze diese Neuorientierung in seiner Begleitung. Falsettobackground begann sich sich nun im Quartettgesang durchzusetzen.
Erwähnt werden müssen vier wichtige Quartette, die Four Knights, die Mighty Clouds of Joy, die Violinaires und die Gospelaires.
Julius Cheeks hatte nach dem Verlassen der Nightingales die Four Knights gegründet und diese Gruppe setzte nun hohe Tenor-Harmonien in der Begleitung ein. Die Aufnahmen mit Cheeks und den Knights brillieren durch Falsetto und auch durch das Geschichtenerzählen von Rev. Cheeks, einem der größten Storyteller im Gospel.
Die Mighty Clouds of Joy nahmen 1958 zum ersten Mal auf und bestimmten nachfolgend die Quartettszene bis heute. Ihr Leadsänger Joe Ligon ist ein Bewunderer Cheeks und ähnelt als „hard lead“ seinem Vorbild.
Die Violinaires waren in ihren Backgroundharmonien immer etwas höher und expressiver als die anderen Gruppen und ihre Leadsänger Isaiah "Little Shot" Jones und Robert Blair verdienen Erwähnung. Ihre ersten Aufnahmen, ohne Blair, stammen aus der Mitte der fünfziger Jahre
Die Gospelaires of Dayton, Ohio sind inzwischen zu einer Legende geworden und ihre Arrangements waren differenzierter und abwechslungsreicher als die anderer Quartette. Auch sie nahmen Ende der fünfziger Jahre zum ersten Mal auf. Unter den Mitglieder der Gruppe müssen Robert "Bob" Washington, Paul Arnold, Walter Lattimore und Charles McLean erwähnt werden.
Diese neue "Kunstfertigkeit" wurde bald von anderen Ensembles übernommen., allerdings in unterschiedlicher, geglückter oder auch weniger geglückter Weise.
Ebenfalls in Chicago zuhause waren die Staple Singers, eine Familiengruppe um Vater Roebuck "Pops" Staples, der seinerseits aus Mississippi stammte und dessen Gitarrenbegleitung vom dortigen Bluesstil beeinflusst war. Sie standen 1953 zum ersten Mal im Studio und gehörten zu den Stars des Vee Jay-Labels, zu dem sie 1955 kamen. Neben Vater "Pops" bestand die Gruppe alternierend aus den Töchtern Mavis Staples, die mit ihrem tiefen Alt den Sound - neben Pops hohem Tenor - bestimmte sowie Cleotha, Yvonne und Bruder Purvis.
Die oben aufgeführten Informationen sind ausgewählte Teile des Artikels "Geschichte der Gospelmusik" auf meiner Homepage und müssen noch überarbeitet werden und ergänzt werden.
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