Spirit of Memphis Quartet
Das Spirit of Memphis Quartet wurde in den späten 20er Jahren (Heilbut) bzw. 1930 (Evans) gegründet und ist Memphis ältestes noch bestehendes Quartett und älter als die berühmte Memphis Symphony. Zunächst nannte sich die Formation T.M. & S. Gospel Singers. Demnach hätte das Spirit of Memphis bereits vor Thomas A. Dorsey den Begriff "gospel singer" verwendet.
Eines der Originalmitglieder war James Darling, der auch später, nachdem die ersten Schallplattenaufnahmen erfolgten, hin und wieder mit der Gruppe sang. Tenor Robert Reed kam als 17jähriger 1934, Bariton Jethroe Bledsoe ebenfalls 1934 und Basssänger Earl Malone 1938 zu diesem Quartett. Die Gruppe tourte bereits früh Louisville, KN und New Orleans und hatte 1948 eine Rundfunksendung auf Memphis WDIA-Station. Auch Robert Crenshaw hat mit der Gruppe gesungen bevor die erste Aufnahmesession stattfand. Silas Steele stieß 1948 und Willmer "Little Axe" Broadnax 1949 zum Spirit of Memphis. Beide, Steele und Broadnax verließen das Spirit of Memphis 1954 und Jethroe Bledsoe zog sich 1977 zurück. Leadsänger nach dem Ausscheiden von Steele und Broadnax waren u.a. Peewee Jefferson und Joe Hinton. Reed und Malone waren noch 1984 Gruppenmitglieder, sind aber wie viele andere dieser Generation großer Leadsänger im Quartettgesang, zwischenzeitlich verstorben.
Das "alte" Spirit of Memphis besticht durch feinen ausgewogenen a-cappella Gesang und den Kontrast der Vorsänger Silas Steele (Bariton), Willmer "Little Axe" Broadnax (Tenor) und Jethroe Bedsoe (Bariton). Besonders die Stimmen von Steele und Broadnax sind sehr gegensätzlich: Steele mit mächtigem Bariton und Little Axe mit hohem, fast klagendem Tenor. Eine annähernd ähnliche, spannungsgeladene, kontrastierende Abwechslung im Gesang zweier Leadsänger gab es seit den frühen fünfziger Jahren nie mehr im Quartettgesang. Ebenso fügt sich Bledsoes Bariton in sämtliche Leadparts ein, egal ob er mit Steele oder Broadnax sang. Besonders eindrucksvoll sind die "sharings" aller drei Leadsängersänger. Malone sorgte für einen wohlausgewogenen Bassausgleich und demonstriert damit die Wichtigkeit dieser Stimmlage. Leider sind alte Aufnahmen dieser Gruppe selten auftreibbar und entsprechend wertvoll, während spätere Einspielungen das Niveau der alten Aufnahmen nicht mehr erreichen. Ende der fünfziger Jahre hatten sie sich dem Mainstreem-Backgroundgesang angepasst und hohe Falsettotöne dominieren den Begleitgesang. Dennoch sind auch diese Einspielungen von gesanglich hoher Qualität.
Zunächst, vor 1949, nahm das "Spirit" auf dem Hallelujah-Spirituals-Label auf, 1949 erfolgten Aufnahmen auf De Lux und noch im gleichen Jahr wechselten sie zu King. Die Mitglieder der ersten Session waren Reed, Bledsoe, Steele, Darling und Malone. Auf King entstanden ihre berühmtesten Aufnahmen. Zu Peacock kamen sie 1953 und spätere Aufnahmen von 1984 wurden auf dem in Memphis beheimateten High Water-Label aufgenommen.
Folgende Songs der Gruppe sollen erwähnt werden: "On The Battlefield" (Bledsoe, lead), "The Day Is Passed And Gone" (Bledsoe, Steele, leads), "He Never Left Me Alone" (Steele), "Blessed Are The Dead" (Bledsoe), "If Jesus Had To Pray" (Steele, Broadnax), "Jesus, Jesus" (Steele, Broadnax), "I'll Never Forget" (Bledsoe, Broadnax), "Calvary" (Steele, Broadnax), " Make More Room For Jesus" (Bledsoe, Broadnax), "God's Got His Eyes On You" (Bledsoe, Steele), "Everytime I Feel The Spirit" (Bledsoe, Steele, Broadnax), die vielleicht beste Aufnahme, die je von diesem Spiritual eingespielt wurde (!), "Sign Of The Judgement" (Steele), "That Awful Day" (Bledsoe, Steele), "Ease My Troubled Mind" (Bledsoe, Steele), "He Never Let Go My Hand" ( Bledsoe, Broadnax) und "Toll The Bell Easy" (Bledsoe, Steele). Von den Peacock-Aufnahmen wurde eine 17cm-LP in Deutschland vertrieben. Diese Aufnahmen entstanden 1956 und die Gruppenmitglieder waren Joe Hinton, Robert Reed, Jethroe Bledsoe, Bobby Mack, Fred Howard und Earl Malone sowie Louis Blair, Gitarre. Die Aufnahmen sind qualitativ nicht mehr so hervorragend wie die alten King-Aufnahmen. Erwähnt werden soll ferner, daß Cleophus Robinson 1953 und 1954 drei Titel mit der Gruppe einspielte.
1984 entstanden weitere Aufnahmen auf dem High Water-Label: "Traveling On" (HGM 6507). Die Mitglieder dieser Session waren Melvin Mosley, Huebert Crawford, Jack Stepter, Jimmie Allen, Earle Malone und Robert Reed. Das Spirit of Memphis Quartet existiert nach wie vor, einige der heutigen Mitglieder sind auch bereits seit fast dreißig Jahren dabei und die Gruppe war im Dezember 2003 auf Tournee in Italien.
Quellen: David Evans; Tony Heilbut; Hayes & Laughton; Alkilpa

