Underground Railroad
Kurzfassung
Ein Netzwerk von Helfern und Schleusern, die Afro-Amerikanern aus dem Süden die Flucht in den Norden und in die Freiheit ermöglichten. Gleichzeitig die Route, die die Flüchtlinge nahmen.
Bezeichnung
Der Begriff Underground Railroad (UGRR) hatte keine Bedeutung vor Einführung der Eisenbahn um 1820. Man weiß auch nicht, woher der Begriff stammt, aber man weiß, dass er in den 20er Jahren bereits von Freiheitssuchenden wie von Sklavenbesitzern benutzt wurde.
Auch wenn dieser Begriff in dieser Zeit neu geprägt wurde, bezeichnete er doch etwas, das so alt war wie die Sklaverei selbst. Dass er sich bereits um 1830 schnell verbreitete, heißt nicht, dass in dieser Zeit der aktive Widerstand gegen die Sklaverei besonders präsent war. Es gab Widerstand solange es Sklaverei gab, und er wurde mit der Zeit immer aktiver. Allerdings gab es Anfang des 19. Jh. zunehmend Weiße in den Nordstaaten, die bereit waren, Freiheitssuchenden zu helfen, oder Afro-Amerikaner zu unterstützen, die das taten.
Die Entscheidung, jemandem auf dem Weg in die Freiheit zu helfen, war oft spontan und aus der Situation gebohren, manchmal war Hilfe aber auch lokal organisiert. Manchmal existierte sie offen, wie in vielen Staaten des Nordens, und manchmal unter der Oberfläche des Alltagslebens, wie in den oberen Südstaaten. Wo sie besonders gut organisiert war, halfen "Conductors" den Freiheitssuchenden von einer "Station" zur nächsten.
Als im Jahre 1850 das Fugitive Slave Law Sklavenjägern weitgehende Rechte auch im Norden einräumte und die Unterstützung flüchtender immer schwieriger wurde, begann eine Zeit nie dagewesener Aktivität des Underground Railroad.
Wege und Nachrichten

Das Netz der Reiserouten des UGRR war ausgesprochen fein gesponnen. Allein die historisch belegten Wege gehen in die Hunderte. Tatsächlich war gerade das fehlen ausgetretener Pfade ein Schlüssel zum Erfolg des UGRR.
Sklavenhalter versuchten, die Zahl der Fluchtversuche zu begrenzen, indem sie Informationen über die Umgebung zurückhielten, was sich als vergeblich herausstellte. Die Sklaven kamen aus einer Kultur mündlicher Überlieferung, und entsprechend präzise und umfangreich waren die Informationen, die von Plantage zu Plantage weitergeleitet wurden. Kindern wurde früh beigebracht, sich nachts am Nordstern zu orientieren, und manchmal lehrte man sie schreiben, ohne dass sie sich das anmerken ließen.
Es entwickelte sich auch eine Art geheimer Sprache, "grape-vine telegraph" genannt, die in Signalen, unverdächtigen Worten, Passworten oder blumiger Ausdrucksweise über Fluchtbewegungen informieren und Flüchtlinge leiten konnte. Und nicht zuletzt wurden Fluchtanweisungen in Liedern, Coded Songs, verpackt, um sie vor den Ohren der Weißen zu verbergen.
Verstecke und Verkleidungen
Die Sicherheit der Freiheitssuchenden hing oft davon ab, nicht gesehen oder nicht erkannt zu werden. Oft versteckte man sich in aller Öffentlichkeit, ging z.B. gemessenen Schritts mit Werkzeugen in der Hand durch den Ort, wie auf dem Weg zur Arbeit, oder Frauen wurden in teure Kleider gehüllt, um nicht der Erwartungshaltung von Sklavenjägern zu entsprechen. Aber im Allgemeinen bewegte man sich nachts, und oft im Zick-Zack Kurs, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.
In sicheren Verstecken, den "Stations" angekommen, wurde man mit Nahrung und -- falls nötig -- Kleidung versorgt. Als Versteck diente alles, was einen Menschen verbergen kann, sei es eine abgelegene Hütte, eine Höhle oder Scheune, ein Keller oder Kirchturm.
Auch tagsüber konnte man sich bewegen, wenn man Phantasie walten ließ. So wurden oft Fahrten zu Marktplätzen vorgetäuscht, und unter den Handelsgütern waren Menschen versteckt. Eine besonders phantasievolle Aktion ist überliefert, in der eine ganze Begräbnis-Parade vorgetäuscht wurde um in den Wagen versteckte Menschen sicher zur nächsten Station zu bringen.
Konflikte
Es gab bestimmte Gruppen, wie die Quäker, die aus religiöser Überzeugung aktiv an der Befreiung von Sklaven mitarbeiteten, oder eine Gruppe von Presbyterianern, die aus Hass auf das System der Sklaverei den Süden verließ. Auch passierte es in manchen Orten, speziell in Neu England, dass die weiße Bevölkerung sich einmischte, wenn sie das Kidnapping von Sklaven beobachtete. Im Allgemeinen aber scheuten selbst ausgesprochene Gegner der Sklaverei den direkten Konflikt mit Sklaverei-Befürwortern, und auch wenn der Underground Railroad überall aktiv war, wurde er doch mit Mißbilligung betrachtet.
Viele Freiheitssuchende wagten die Flucht zunächst alleine, und ließen Familie und Freunde zurück. Dabei wussten sie, dass die Sklavenhalter sich häufig an denen rächen würden. Später wagten manche es daher, in den Süden zurück zu kehren, um Famile und Freunden zu helfen; in seltenen Fällen wurden sie aber auch mit der Ankündigung des Verkaufs ihrer Familienangehörigen zurück gelockt, um dann bei einem aussichtslosen Befreiungsversuch geschnappt zu werden.
Manchmal fanden sich Unterstützer sogar in den Familien der Sklavenhalter. Unterstützung konnte vom Weiterreichen von Karten und Informationen bis zur aktiven Fluchthilfe reichen. Dabei stand auch der Unterstützer im Konflikt mit dem System der Sklaverei, in dem er lebte, und beide, Sklave und Unterstützer, gingen mit dem Konflikt ähnlich um.
Beide täuschten vor, im System glücklich zu sein, und beide flohen oft in den Norden. Tragischerweise trugen beide damit zum Teil zur Stabilisierung des Systems bei.
Auch wenn das Gesamtbild des Underground Railroad hauptsächlich vom Süden in den Norden gerichtete Aktivitäten zeigt, so waren seine Aktivitäten in der Praxis doch lokal. Das Interesse des "Conductors" war es, den Freiheitssuchenden sicher zur nächsten "Station" zu bringen, und dabei selbst unerkannt zu bleiben. So waren auch die Konflikte lokal. Der Rassismus im Norden war oft nicht besser als die Sklaverei des Südens, und ein sicherer Ort konnte in kurzer Entfernung eine Siedlung oder eine Nachbarschaft haben, die für Sklaverei eintrat, oder gegen Schwarze war, egal, ob frei oder versklavt. Nicht selten kam es zum direkten offenen Konflikt, Nachbar gegen Nachbar.
Ausklang
Mit dem Ende des Bürgerkrieges und der offiziellen Abschaffung der Sklaverei 1865 verlor der Underground Railroad schnell an Bedeutung. Die nun freien Sklaven hatten zwar weiterhin mit massiven Repressionen zu kämpfen, konnten sich aber ab jetzt auch mit rechtlichen Mitteln (wenn auch niemals leicht) verteidigen.
Quellen:
Learn About The UGRR, http://www.cr.nps.gov/ugrr/
http://www.nationwide.net/~~amaranth/gourd.htm für das Bild.
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